Notfallkontrazeptiva

Wieder Farbbomben auf Apotheke

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Berlin -

Weil sich ein Apotheker im Berliner Bezirk Neukölln aus Glaubensgründen weigert, die Pille danach abzugeben, wird seine Undine-Apotheke immer wieder angegriffen. Unbekannte bewarfen die Apotheke jetzt mit roten Farbbeuteln. Laut Inhaber Andreas Kersten entstand erneut ein Schaden von rund 500 Euro.

Die Täter beklebten außerdem die Schaufenster mit Plakaten, die für einen „Frauenkampftag“ warben, der am Samstag in Berlin stattfand. Bei der Demonstration ging es um die „rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung, ein selbstbestimmtes Leben, für das Recht auf körperliche Unversehrtheit, sowie sexuelle Selbstbestimmung“. Veranstalter ist der Sozialistisch-Demokratische Studierendenverband (Die Linke.SDS). Geschäftsführerin Kerstin Wolter distanzierte sich von dem Anschlag.

Auf der Website indymedia.org bekennen sich die Täter zu dem Farbbomben-Anschlag: Kersten tue „sich als fanatischer Lebensschützer hervor“, heißt es dort zur Begründung. „Wer aus Gewissensgründen meint, Frauen das Recht auf Selbstbestimmung streitig machen zu müssen, darf sich nicht wundern, wenn er aus Gewissensgründen seinen Laden demoliert bekommt.“

Die Täter „grüßen“ mit der Aktion die Proteste gegen den diesjährigen „Marsch für das Leben“. Weiter heißt es, „dieser regressive und antifeministische Rollback“ müsse gestoppt werden. „Weg mit §218!“ zum Schwangerschaftsabbruch, fordern die Blogger.

Seit rund dreizehn Jahren vertreibt Kersten weder Notfallkontrazeptiva noch Spiralen. Er wolle so ungeborenes Leben schützen, das mit der Befruchtung der Eizelle beginne. Immer wieder ist seine Apotheke deshalb Anschlagsziel geworden. Erst im März fand er die Schaufensterscheiben seiner Apotheke fast vollständig mit roter Farbe zugeschmiert. Auch hier riefen die Täter zur Teilnahme an dem damals stattfindenden „Frauenkampftag“ auf.

Im März 2011, anlässlich des Internationalen Frauentags, wurden die Geschäftsscheiben eingeschlagen. Damals bekannte sich eine Protestgruppe im Internet zu einem der Anschläge. Man habe die Apotheke „umgestaltet“, dabei seien „einige Scheiben zu Bruch“ gegangen. Die Begründung: Die Apotheke vertrete ein verschärftes Bild einer patriarchalischen Gesellschaft. Bei Kondomen und Kontrazeptiva lege der Apothekenbesitzer „einen Zettel mit fundamentalistisch religiösen Texten“ bei. Auch zum Weltfrauentag 2010 wurden die Scheiben seiner Offizin eingeschlagen; im Jahr 2009 hatte es eine Protest-Demonstration gegen ihn gegeben.

„Solche Anschläge finden in unregelmäßigen Abständen statt“, sagt Kersten. Im Kiez erfahre er für seine Einstellung jedoch Solidarität, sagt der gläubige Katholik. Nur selten kämen Frauen, die nach der Pille danach fragten. Sie nähmen seine Weigerungshaltung neutral zur Kenntnis und suchten eine andere Apotheke auf.

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