„Aktion Mütze“

Pausenbrot statt Kopfschmerztabletten

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Wiesbaden -

Schüler fragen ihre Lehrer immer häufiger nach Kopfschmerztabletten: Diese Beobachtung hat die ehemalige Wiesbadener Gesamtschullehrerin Karin Frisch alarmiert. Um den aus ihrer Sicht „gravierenden Anstieg von Kopfschmerzerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen entgegenzuwirken“, rief sie zusammen mit dem Direktor der Schmerzklinik Kiel, Professor Dr. Hartmut Göbel, vor rund drei Jahren die „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“ ins Leben. Der Neurologe und Psychologe Göbel ist überzeugt: „Kopfschmerzen kann man durch Wissen verhindern. Wissen ist die beste Medizin, die beste Prävention.“

Mehrere Studien zeigten, dass Kopfschmerzen im Kinder- und Jugendalter tendenziell zunähmen, berichtete der Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, Dr. Charly Gaul. Als Gründe würden unter anderem Multitasking und zu wenig verfügbare Freizeit genannt. „Streit im Freundeskreis ist auch ein Risikofaktor, alles was in Richtung Mobbing geht.“

Kopfschmerzen seien die Volkserkrankung schlechthin, sagt Göbel. Viele Menschen wüssten jedoch nicht, wie sie Kopfschmerzen oder Migräne vorbeugen könnten. „Viele Kinder werden schon wie selbstverständlich mit Kopfschmerztabletten in die Schule geschickt, das gehört dazu wie das Pausenbrot.“

Für die „Aktion Mütze“ haben Göbel und Frisch eine Unterrichtseinheit entwickelt, die Lehrer, Schüler und deren Eltern gleichermaßen erreichen soll. Ziel ist es, sie umfassend zu informieren, für die Risiken eines unreflektierten Medikamentengebrauchs zu sensibilisieren, Kopfschmerzen vorzubeugen – und die Ursachen anzugehen. Die Unterrichtseinheit können alle siebten Klassen in Deutschland kostenfrei bekommen, wie Frisch sagt. Das Projekt werde zudem mit einer umfassenden wissenschaftlichen Befragung evaluiert. „Mehr als 70 000 Schüler haben inzwischen mit den Unterlagen gearbeitet.“

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