Cannabis: ADHS-Patient scheitert vor Gericht

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Berlin - Das Verfahren zur Kostenerstattung bei Cannabis-Therapien stellt Patienten vor große Herausforderungen. Zum einen können Wochen vergehen, bis die Genehmigungen eintreffen. Zum anderen sind Betroffene verärgert, wenn sich ihre Krankenkassen quer stellt und nicht für die Kosten aufkommen will. In einem aktuellen Fall hat ein 31-jähriger ADS-Patient Hilfe beim Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) gesucht, weil seine Kasse die Kostenübernahme ablehnte. Die Richter unterstützten diese Entscheidung.

Der betroffene Patient leidet unter Depressionen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, einem verstärkten Bewegungsdrang und einer Impulskontrollstörung. 2013 wurde bei ihm ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) festgestellt. Therapiert wurde er zunächst mit Ritalin (Methylphenidat, Novartis), doch dadurch kam es bei ihm zu Nebenwirkungen wie Niedergeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Schwächegefühl und Kraftlosigkeit. Zudem wurde er mit Strattera (Atomoxetin, Lilly) behandelt. Ende 2015 erhielt er eine Ausnahmegenehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für den Erwerb von Cannabisblüten zu medizinischen Zwecken. Einen Antrag für eine Ausnahmeerlaubnis für den Eigenanbau lehnte die Behörde im August 2017 ab.

Nach der Liberalisierung des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) wurde dem Patienten im Mai vergangenen Jahres drei verschiedene Cannabismedikamente verordnet (Bedroca, Bediol, Bedica). Appliziert werden sollten die Blüten entweder in Form einer Teezubereitung oder einer Inhalation. Eine Kostenübernahme lehnte die Kasse allerdings mit der Begründung ab, dass die Voraussetzungen nach § 31 Sozialgesetzbuch (SGB V) Abs. 6 nicht erfüllt seien. Der Gesetzgeber schreibt hier vor, dass Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von getrockneten Blüten oder Extrakten in standardisierter Qualität und auf Versorgung mit Arzneimitteln mit den Wirkstoffen Dronabinol oder Nabilon haben.

Dabei darf eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung nicht zur Verfügung stehen oder die Anwendung beim Versicherten kontraindiziert sein. Zudem kann im Einzelfall der behandelnde Arzt unter Abwägung der zu erwartenden Nebenwirkungen eine Anwendung für sinnvoll erachten, wenn „eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht“. Ärzte müssen allerdings darlegen, warum Cannabinoide zu einer Besserung beitragen können und dies mit Hinweisen auf Studien belegen. Anders als bei anderen Arzneimitteln ist bei Cannabis nicht genau geregelt, bei welchen Erkrankungen und Krankheitsbildern das Betäubungsmittel eingesetzt werden darf.

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