Therapiekosten

Cannabis auf Rezept: Hartz IV lässt grüßen APOTHEKE ADHOC, 11.04.2018 14:37 Uhr

Berlin - Die Novellierung des Betäubungsmittelgesetzes sollte Patienten neue Therapieoptionen eröffnen, die sie auch nicht aus eigener Tasche bezahlen sollten. Doch in der Praxis sieht es oftmals anders aus: Betroffene berichten von der Schikane der Krankenkassen und Ablehnungsbescheiden zur Kostenerstattung ohne ausreichende Begründung. Dieses Thema griff das ZDF-Magazin „Frontal21“ auf. In der Reportage kamen Cannabis-Patienten, Schmerztherapeuten und auch SPD-Fraktionsvize Professor Dr. Karl Lauterbach zu Wort.

„Nach 50 Operationen, Antibiose und Schmerzmitteln aller Art ist mein Körper heute ziemlich kaputt“, sagte Schmerzpatient Thorsten Naumann. Als Jugendlicher habe er sich bei einem schweren Verkehrsunfall verletzt, bei dem seine Wirbelsäule, Becken und Knie irreparabel beschädigt wurden. Seitdem sei Naumann auf Medikamente angewiesen. Als er auf die gängigen Arzneimittel nicht mehr ansprach, musste er auf Oxycodon umsteigen. Doch die Einnahme ging bei ihm mit starken Nebenwirkungen einher.

Sein behandelnder Arzt, Dr. Winfried Hofmann, entschied sich dann für eine „sanftere“ Therapie und stellte einen Antrag für eine Ausnahmegenehmigung, die Naumann auch bekam. „Unter Cannabis war der Schmerz bei einer vergleichsweise geringeren Dosis deutlich reduziert. Dieser Schmerz von ihm sprach deutlich besser auf Cannabinoide an als auf Opioide“, so der Schmerztherapeut im Beitrag.

Naumann musste für die Therapiekosten allerdings selbst aufkommen: „Das ist bei einer Jahrestherapie in meinem Fall um die 14 bis 15.000 Euro. Ich habe nochmal Kredite genommen, um das Ganze zu finanzieren. Das hat am Ende dazu geführt, dass ich fast ganz kurz davor stand, Hartz IV zu beantragen.“ Auch werden Politiker und ihre Versprechen zitiert, die sich mit der Lebenswirklichkeit von Naumann deutlich widersprechen: „Wir geben Ihnen mit dieser Regelung die Möglichkeit, Cannabis auf legalem Wege und unabhängig vom Geldbeutel als Medikament zu beziehen”, sagte Burkhard Blienert (SPD).

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

Hauptversammlung

DSW: Keine Entlastung für Bayer-Vorstand»

Selbstmedikation

Das sind die Top-OTC-Chefs»

Versandapotheken

Sanicare: Gericht bestätigt Eigentümerwechsel»
Politik

Apothekensterben

Senat zählt Bremer Apotheken»

Kassenreform

Koalition: Gegenwind für Spahns Gesetz»

STIKO-Empfehlung als Vorlage

Montgomery: 4- und 6-fach Impfpflicht»
Internationales

Wettbewerbsbehörde

Frankreich: Versandhandel soll Apotheken retten»

Opioid-Epidemie

Schmerzmittel gegen Sex: Großrazzien bei Ärzten und Apothekern»

Schweiz

Zu teuer: Apotheken verweigern Abgabe von Harvoni»
Pharmazie

Lieferengpass

Erwinase: Voraussichtlich ab Mitte Mai wieder lieferbar»

Obstipation

Abführ-Perlen: Aus Laxoberal wird Dulcolax»

Gentherapie gegen Erblindung

Novartis launcht Luxturna»
Panorama

Täter fordert Geld und Kondome

Zwei Schüsse auf Apotheker»

Abrechnungszentrum

Noventi erklärt Studenten die Rezeptabrechnung»

Umfrage

Ärzte verstehen Arztbrief oft nicht»
Apothekenpraxis

Apothekensterben

Studie: eRezept killt 7000 Apotheken»

PEI-Erhebung

Impfstoffmangel ist Alltag in Apotheken»

Lieferengpässe

Valsartan-Generika: Alles defekt»
PTA Live

LABOR-Debatte

Partnerschaften am Arbeitsplatz: Kann das gut gehen?»

Heilpflanzen im Frühjahr

Löwenzahn, die Pflanze der tausend Namen»

Heilpflanzen im Frühjahr

Schmerz und Heilung zugleich – die Brennnessel»
Erkältungs-Tipps

Zoonose

Wenn der Hund Schnupfen hat»

Erkältungstipps

Dampfinhalation – Mehr als nur heiße Luft»

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Der typische Erkältungsverlauf»
Magen-Darm & Co.

Magen-Darm-Beschwerden

Bauchschmerzen bei Kindern: Was steckt dahinter?»

Richtig rollen

Rollkur bei Gastritis»

Iberis amara

Bitterstoffe: Zeit für ein Comeback»