Cannabis auf Rezept: Hartz IV lässt grüßen

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Berlin - Die Novellierung des Betäubungsmittelgesetzes sollte Patienten neue Therapieoptionen eröffnen, die sie auch nicht aus eigener Tasche bezahlen sollten. Doch in der Praxis sieht es oftmals anders aus: Betroffene berichten von der Schikane der Krankenkassen und Ablehnungsbescheiden zur Kostenerstattung ohne ausreichende Begründung. Dieses Thema griff das ZDF-Magazin „Frontal21“ auf. In der Reportage kamen Cannabis-Patienten, Schmerztherapeuten und auch SPD-Fraktionsvize Professor Dr. Karl Lauterbach zu Wort.

„Nach 50 Operationen, Antibiose und Schmerzmitteln aller Art ist mein Körper heute ziemlich kaputt“, sagte Schmerzpatient Thorsten Naumann. Als Jugendlicher habe er sich bei einem schweren Verkehrsunfall verletzt, bei dem seine Wirbelsäule, Becken und Knie irreparabel beschädigt wurden. Seitdem sei Naumann auf Medikamente angewiesen. Als er auf die gängigen Arzneimittel nicht mehr ansprach, musste er auf Oxycodon umsteigen. Doch die Einnahme ging bei ihm mit starken Nebenwirkungen einher.

Sein behandelnder Arzt, Dr. Winfried Hofmann, entschied sich dann für eine „sanftere“ Therapie und stellte einen Antrag für eine Ausnahmegenehmigung, die Naumann auch bekam. „Unter Cannabis war der Schmerz bei einer vergleichsweise geringeren Dosis deutlich reduziert. Dieser Schmerz von ihm sprach deutlich besser auf Cannabinoide an als auf Opioide“, so der Schmerztherapeut im Beitrag.

Naumann musste für die Therapiekosten allerdings selbst aufkommen: „Das ist bei einer Jahrestherapie in meinem Fall um die 14 bis 15.000 Euro. Ich habe nochmal Kredite genommen, um das Ganze zu finanzieren. Das hat am Ende dazu geführt, dass ich fast ganz kurz davor stand, Hartz IV zu beantragen.“ Auch werden Politiker und ihre Versprechen zitiert, die sich mit der Lebenswirklichkeit von Naumann deutlich widersprechen: „Wir geben Ihnen mit dieser Regelung die Möglichkeit, Cannabis auf legalem Wege und unabhängig vom Geldbeutel als Medikament zu beziehen”, sagte Burkhard Blienert (SPD).

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