Cannabis auf Rezept: Hartz IV lässt grüßen

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Dem neuen Gesetz zufolge dürfen Krankenkassen nur in Ausnahmefällen den Antrag zur Kostenübernahme ablehnen. Doch Naumann erhielt einen Ablehnungsbescheid von der HEK, obwohl er zuvor vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Ausnahmegenehmigung bekommen hatte. „Der MDK teilte uns mit, dass der Einsatz von Cannabis-Blüten nicht notwendig, nicht unbedenklich und nicht wirtschaftlich ist“, hieß es im Schreiben. Deshalb müsse er seine Cannabis-Therapie weiter aus der eigenen Tasche bezahlen. Das Gesetz brachte ihm eher Nach- als Vorteile: „Weil die Apotheker seit der Änderung Cannabisblüten aufwändig überprüfen müssen, bevor sie sie an die Patienten abgeben, haben sich die Preise verdoppelt“, heißt es im Beitrag. Naumann klage nun vor dem Sozialgericht gegen seine Krankenkasse.

Doch auch Ärzte üben Kritik: Professor Dr. Joachim Nastawek, Leiter der Schmerzambulanz des Universitätsklinikums Bonn, befürwortet die Behandlung mit Cannabis. Dem Magazin zufolge hat er als Experte am Gesetz mitgewirkt. Mit der Umsetzung sei er aber unzufrieden: „Wenn ich die MDK-Gutachten lese, kann ich selten begründete Ausnahmefälle erkennen“, so Nastawek. Immer wieder würden steorotyp die gleichen Argumente wie „nicht austherapiert“, „keine stationäre Schmerztherapie“ und „fehlende Schmerztagebücher“ genutzt. „Das sind keine begründeten Ausnahmefälle.“ Der Schmerzmediziner fordert, den Genehmigungsvorbehalt der MDK aus dem Gesetz zu streichen. Seiner Meinung nach fehlt den Prüfern der Sachverstand: „Wenn ich mir manche Begründungen des MDK anschaue, kann ich nur sagen, dass offensichtlich diese Anträge von Ärzten beurteilt worden sind, die weder etwas von Schmerzmedizin noch von Cannabis verstehen.“

Das Antragsverfahren sei zudem ein Eingriff in die Therapiefreiheit. „Ich kann hochwirksame Opioide, die nicht billig sind, verschreiben. Der Onkologe kann hochwirksame Chemotherapeutika verschreiben, ohne vorher zu fragen. Aber für Cannabis muss ich fragen – und das sollte rasch abgeschafft werden.” Doch die Regierungsparteien hielten dagegen, auch weil Zweifel an der Qualifikation der Ärzte bestünden, heißt es im Beitrag. Lauterbach: „Ich würde vor der Idee warnen, dass jeder, bei dem der Arzt sagt ,Das ist gut für dich’, ,Das sollst du bekommen’ – das wäre nicht richtig. Wir würden den Patienten keinen Gefallen tun.“

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