Digitale Beratungsgespräche

Apotheker sollen „agieren statt reagieren“

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Berlin -

Die medizinische Versorgung, vor allem in ländlichen Regionen, gestaltet sich zunehmend schwieriger. Viele Ärzte und damit auch Apotheker schlossen in den vergangenen Jahren ihre Betriebe. Eine Patentlösung für das Problem ist bisher nicht in Sicht. Innenarchitekt Michael Höferlin, der auf Apothekeneinrichtungen spezialisiert ist, spricht sich für einen digitalen Ansatz aus: Teleberatungen sollten künftig auch in der Apotheke möglich sein.

Die Schreckensmeldungen aus der Apothekerbranche kenne er gut, so Höferlin: „Viele Pharmazeuten fragen sich, wie das noch alles weitergehen soll.“ Die düsteren Zukunftsszenarien findet der Architekt übertrieben. „In den Städten gibt es ja keine großen Probleme. Die liegen eher in der Landflucht der Ärzte. Dort müssen Konzepte für die Digitalisierung geschaffen werden“, erklärt Höferlin. Länder wie die Schweiz machten es vor.

Ein Lösungsansatz sei daher die Telemedizin. Sie solle, so der Innenarchitekt, auch in der Apotheke Anwendung finden. Damit habe er in seinem Planungsbüro gute Erfahrungen gemacht. „Ich nutze für meine berufliche Kommunikation Skype. Das ist für meine Partner und mich praktisch. Und es trägt sogar zum Umweltschutz bei“, berichtet Höferlin. Auch in großen Krankenhäusern sei Telemedizin schon gang und gäbe, etwa wenn ein Spezialarzt für eine Diagnose herangezogen wird.

Doch wer nur Kopfschmerzen habe, müsse nicht zum Arzt. „Dass hierfür eine Aspirin beötigt wird, weiß auch der Apotheker“, so Höferlin. Um Apotheken fit für die Digitalisierung zu machen, brauche es nicht viel. „Es reicht ein geschützter Raum, ein Bildschirm, eine stabile Internetverbindung und ein Kommunikationstool wie Skype“, erläutert Höferlin. Das sei bereits mit einem geringen finanziellen Aufwand zu leisten. Viele ältere Apotheken, die in den kommenden Jahren ohnehin auf Vordermann gebracht werden müssen, könnten entsprechende Vorkehrungen bei den Planungen zudem gleich miteinbringen.

Höferlin stellte bereits einigen Apothekern seine Ideen vor. Das Feedback war durchwachsen: „In der Stadt spielt der Ärztemangel eine untergeordnete Rolle. Die Apotheker auf dem Land hingegen sehen das Potenzial“. Ähnlich seien die Erfahrungen in den Gesprächen mit den Gemeindevertretern gewesen: „Viele Bürgermeister sehen oftmals das Problem, zögern aber, dem zu begegnen. Dabei ist die Infrastruktur doch das, was eine Kommune am Leben hält“.

Von den Apothekerverbänden wünscht sich Höferlin ein selbstbewussteres Auftreten. „Im Gegensatz zu den Ärzten haben die Apotheker eine schlechte Lobby. Jeder kennt den Präsidenten der Ärztekammer, aber wer kann schon den Namen des ABDA-Präsidenten nennen?“ Dadurch seien die Probleme der Apotheker im Bewusstsein der Politiker nicht präsent genug. Zudem sei der Berufsstand nicht offen genug. „Die Pharmazierat kam gleich mit Bedenken wegen Persönlichkeitsrechten, als ich meine Ideen vorstellte“, seufzt Höferlin.

Der Architekt machte bei den Apothekern ein gewisses Phlegma aus: „Sie warten oft, dass etwas passiert. Dabei werden nur die erfolgreich sein, die agieren anstatt zu reagieren“, macht Höferlin. Auch wenn die Arbeit mit Apothekern manchmal frustrierend sei, seien ihm die Pharmazeuten ans Herz gewachsen. „Das sind sehr treue Menschen. Habe ich sie einmal von meiner Arbeit überzeugt, werde ich sie nicht mehr los“, lacht der Architekt. Er hofft, dass dies mit seinen Telemedizin-Plänen für die Apotheke ähnlich laufen wird. Denn: „Das große Plus gegen das Internet sind das Vertrauensverhältnis zum Kunden und die Beratung. Daher muss man alles tun, das den Kunden so komfortabel wie möglich anzubieten.“

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