OTC-Hersteller

Dobendan/Neo-Angin: Stada will es wissen

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Berlin -

Lutschen statt Inhalieren: Locabiosol gehört nicht zu den erfolgreichsten OTC-Produkten von Stada. Der topische Einsatz von Antibiotika gilt als überholt, die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) prüft das Risikoprofil des Wirkstoffs Fusafungin. In Bad Vilbel hat man sich daher entschieden, dem Klassiker eine neue Variante zur Seite zu stellen. Demnächst sollen unter der Marke Locatonsil Halsschmerztabletten eingeführt werden, die Ähnlichkeit zu den beiden führenden Produkten aufweisen.

Locatonsil soll in mehreren Geschmacksvarianten auf den Markt kommen: Honig & Zitrone, Minze und Orange. Wann mit der Einführung zu rechnen ist, wollte der Konzern auf Nachfrage nicht verraten. Die neuen Pastillen enthalten 2 mg Lidocain sowie 0,6 mg Amylmetacresol und 1,2 mg Dichlorbenzylalkohol. Die beiden Antiseptika sind in derselben Dosierung auch in den freiverkäuflichen Varianten von Dobendan – neuerdings Dobensana – von Reckitt Benckiser (RB) enthalten sowie in Neo-Angin von Klosterfrau.

Damit greift OTC-Chef Adil Kachout die beiden Platzhirsche an. Dobendan ist mit einem Jahresumsatz von 55 Millionen Euro auf Basis der Verkaufspreise mittlerweile unangefochtener Marktführer in den Apotheken. Knapp sieben Millionen Packungen gehen pro Jahr über den HV-Tisch. Mit einem Plus von 36 Prozent hatte sich Dobendan während der ausgeprägten Erkältungswelle im ersten Quartal 2015 besonders gut entwickelt.

In den Apotheken spielen die freiverkäuflichen Produkte eine untergeordnete Rolle: Nur 6 Prozent nach Wert beziehungsweise 7 Prozent nach Menge entfallen auf diese Produktgruppe. 56 Prozent des gesamten Geschäfts mit Dobendan entfallen auf Dolo Dobendan, das zusätzlich Benzocain enthält. Mit weiteren 36 Prozent ist Dobendan direkt (Flurbiprofen) in der Offizin das zweitwichtigste Produkt.

Neo-Angin liegt mit mehr als vier Millionen Packungen und 32 Millionen Euro deutlich dahinter. Das Klosterfrau-Produkt ist apothekenexklusiv, im Drogeriemarkt ist das Schwesterprodukt Anginetten zuhause. Besonders bitter: Als Vertriebspartner hatten die Kölner das heutige Konkurrenzprodukt an die Spitze gebracht: 2010 zog Dobendan erstmals an Neo-Angin vorbei, im Mai 2014 ließ RB die Vereinbarung nach 16 Jahren auslaufen.

Dahinter folgen Lemocin (Tyrothricin/Cetrimoniumbromid, Novartis) und Dorithricin (Tyrothricin/Benzalkoniumchlorid/Benzocain, Medice) mit jeweils rund 15 Millionen Euro und zwei Millionen Packungen. Für das Antibiotikum, das in beiden Produkten zu finden ist, sind seit 60 Jahren keine Resistenzen bekannt.

Häufiger verkauft werden die softeren Varianten: Isla (Engelhard) kommt auf 21 Millionen Euro und vier Millionen Packungen, Ipalat (Dr. Pfleger) auf mehr als 15 Millionen Euro und 3,5 Millionen Packungen. Gelo Revoice bringt es auf 17 Millionen Euro und mehr als zwei Millionen Packungen. In der vergangenen Saison waren gleich zwei Hersteller gegen das 2009 eingeführte Medizinprodukt von Pohl-Boskamp angetreten: Neo-Angin stimmig und Isla-med hydro+ sollten Revoice Geschäft streitig machen. Siemens & Co. setzt mit einer Millionen Packungen Emser-Pastillen mehr als vier Millionen Euro um.

Zuletzt die reinen Hustenbonbons: Em-Eukal (Dr. Soldan) bringt es auf 7 Millionen Euro und knapp vier Millionen Packungen, Wick (Katjes) auf mehr als sechs Millionen Euro und knapp drei Millionen Packungen. Weitere nach Absatz wichtige Marken sind Ricola (Klosterfrau), Dallmanns (Katjes) sowie Pectoral und Fisherman's Friend (beide Wepa).

Locabiosol ist seit 1978 auf dem Markt; das Präparat gehört dem französischen Hersteller Servier. Hierzulande gibt es seit 2006 eine Vertriebskooperation mit der Stada. Fusafungin wirkt antibakteriell und entzündungshemmend und wird als Spray zur lokalen Behandlung von Infektionen und Entzündungen des Nasen- und Rachenraums eingesetzt. Bei dem Wirkstoff handelt es sich um ein Gemisch verschiedener Peptidantibiotika, das aus dem Pilz Fusarium lateritium gewonnen wird.

Allerdings war der Wirkstoff zuletzt in die Kritik geraten. Der topische Einsatz ist umstritten; außerdem sind allergische Reaktionen bis hin zum anaphylaktischen Schock dokumentiert. Als Symptom traten Bronchospasmen bei Erwachsenen und Kindern kurz nach Beginn der Behandlung auf.

Weil die Nebenwirkungen sich zuletzt gehäuft haben, hatte die italienische Zulassungsbehörde AIFA eine Prüfung durch die EMA gefordert. Das Verfahren läuft noch, untersucht werden soll auch, ob topische Antibiotika zur Resistenzbildung beitragen. Patienten sollen bis zum Abschluss des Verfahrens bei Fragen ihren Arzt oder Apotheker ansprechen.

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