Klosterfrau

Nonne, Konsul und Melissengeist Patrick Hollstein, 25.03.2019 14:47 Uhr

Berlin - Die Geschichte der heutigen Klosterfrau-Gruppe beginnt 1929. Am 7. Mai tritt Konsul Wilhelm Doerenkamp als Kommanditist neu in das Familienunternehmen ein. Der 1882 geborene Kaufmann ist als Generalvertreter der Opel-Werke zu Wohlstand gekommen und will, so berichten es die Chroniken, sein Kapital gewinnbringend anlegen. Die Eigentümer des Unternehmens – die Brüder Wilhelm und Otto Schaeben – brauchen für die strategische Neuausrichtung Geld, und so leiht Doerenkamp Klosterfrau 100.000 Reichsmark. Dann kommt die Weltwirtschaftskrise, und die Firma kann den Kredit nicht zurückzahlen. Am 20. Mai 1933 wird das Konkursverfahren eröffnet; im Rahmen eines Zwangsvergleichs drängt Doerenkamp als Hauptgläubiger die bisherigen Besitzer aus der Firma. Der Vorgang wird Klosterfrau prägen – wann immer der Markt eine Chance bietet, ist das Kölner Unternehmen zur Stelle. Erst als Partner, dann als Käufer.

Der Großvater der Schaeben-Brüder war laut Familienchronik 1829 im Alter von 14 Jahren als Lehrling in das Kölner Unternehmen Klosterfrau eingetreten. Drei Jahre zuvor hatte die Nonne Maria Clementine Martin am Fuße des Doms damit begonnen, Kölnisch Wasser und Melissengeist herzustellen. Als Startkapital diente ihr eine jährliche Rente von 160 Goldtalern, die sie für ihren Einsatz als Sanitäterin auf dem Schlachtfeld von Waterloo vom preußischen König Friedrich Wilhelm III zuerkannt bekommen hatte.

Kurz bevor die Unternehmerin gewordene Geistliche 1843 starb, machte sie ihren ersten Mitarbeiter zum Erben. Mit ihrem Testament gab sie Schaeben den Rat auf den Weg, sich nicht „mit einem Compagnon in Theilung des Geschäftes“ einzulassen. 90 Jahre und drei Generationen später wurde die Mahnung in den Wind geschlagen – und das Erbe war weg. Immerhin: Als Hersteller von Drogeriewaren existiert Haus Schaeben's als Familienunternehmen noch heute.

Nach dem Krieg kommt für Klosterfrau ein Neuanfang. Der neue Eigentümer, in der Firma respektvoll Herr Konsul genannt, baut das zerstörte Werk wieder auf. In den 1960er Jahren arbeiten zeitweise vier Familienmitglieder aus zwei Generationen in der Firma. Doch nach dem Tod von Doerenkamp 1972 übernimmt der Kaufmann Paul Gräff, 1952 als Finanzchef ins Unternehmen geholt, die Geschäfte, die er bis 1997 leiten wird.

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