Analog zur „Pille danach“

Nach OTC-Switch: Versandverbot für Sildenafil?

, Uhr
Berlin -

Potenzmittel mit Sildenafil könnten bald rezeptfrei verfügbar sein. Damit eine angemessene Beratung zu Viagra & Co. stattfindet, fordert der Vorsitzende des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR), Thomas Preis, ein generelles Versandverbot für alle selektiven PDE-5-Inhibitoren. Als Vorbild könnte der OTC-Switch der „Pille danach“ dienen, die ebenfalls nicht mit der Post verschickt werden darf.

Der zuständige Sachverständigenausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) berät heute über die Entlassung von Sildenafil aus der Verschreibungspflicht. Mit einem Ergebnis wird am späten Nachmittag gerechnet. Über eine Empfehlung für eine Freigabe hätte dann noch das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zu entscheiden, das die Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) entsprechend ändern müsste.

Preis sieht aus medizinischer und pharmazeutischer Sicht keine entscheidenden Einwände gegen die Freigabe von Sildenafil. „Das Präparat ist schon fast ein Vierteljahrhundert auf dem Markt“, so der Verbandschef. „Bisher sind nur geringe Nebenwirkungen und nur wenige, zwar nicht unbedeutende, Interaktionen bekannt, die aber durch ein fundiertes Beratungsgespräch vermeidbar sind.“

In anderen europäischen Ländern, darunter Großbritannien, Polen, Schweden und Norwegen, können Viagra & Co. schon seit einigen Jahren ohne Rezept bezogen werden. Teilweise ist vorgeschrieben, dass die Apotheker:innen speziell geschult wurden, sodass eine ausführliche Beratung durch das pharmazeutische Personal möglich ist. In Polen müssen Männer, die das Potenzmittel kaufen wollen, außerdem einen Fragebogen ausfüllen. Denkbar ist, dass auch hierzulande Vorgaben für den Verkauf in der Selbstmedikation gemacht werden.

Preis rechnet mit einem OTC-Switch für Sildenafil, denn mit der richtigen Beratung eigne sich Sildenafil im Grunde gut für die Selbstmedikation. „Gleichzeitig besteht die Chance, den überaus großen Schwarzmarkt von Potenzmitteln im Internet im Sinne aktiven Verbraucherschutzes zu unterbinden.“ Preis beruft sich auf Untersuchungen, wonach mindestens die Hälfte der im Internet ohne Rezept erhältlichen Pillen gefälscht seien. „Ich rate deshalb auch dringend dazu, ähnlich wie bei der ‚Pille danach‘, Sildenafil-Präparate vom Versandhandel auszuschließen.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Lesen Sie auch

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Auf antibakterielle Wirkstoffe besser verzichten
Hautcremes können dem Mikrobiom schaden»
Erste Leitlinie für Diagnose & Behandlung
Vitiligo: Wenn der Haut die Pigmente fehlen»