25 Jahre Viagra

„Blue Bulls Power“: Blaue Pillen mit Sildenafil

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Berlin -

Erneut wurden in einem Mittel aus dem Internet hochwirksame Arzneistoffe nachgewiesen: Das Landesuntersuchungsamt wies im Potenzmittel „Blue Bulls Power“ Sildenafil nach. Der verschreibungspflichtige Wirkstoff wurde gerade 25 Jahre alt.

„Blue Bulls Power“ kommt aus Indien, in dem Produkt der Firma Walgrow wies das Landesuntersuchungsamt (LUA) Rheinland-Pfalz Sildenafil nach. Für den Verbraucher war dies allerdings nicht ersichtlich, denn der Wirkstoff war nicht deklariert. Die kleinen blauen Pillen, die dem Original zum Verwechseln ähnlich sehen, waren dem Zoll bei der Einfuhr nach Deutschland ins Netz gegangen.

Zufallsentdeckung

Sildenafil ist vergangene Woche 25 Jahre alt geworden: Am 27. März 1998 wurde der Wirkstoff in den USA zugelassen, ein halbes Jahr später war er auch auf dem europäischen Markt verfügbar. Ursprünglich war das Arzneimittel für die Behandlung von Bluthochdruck entwickelt worden, dabei stellte sich als unerwünschte Arzneimittelwirkung die Erektionsförderung heraus. Deshalb wird der Wirkstoff, der unter dem Handelsnamen Viagra Bekanntheit erlangte, vor allem bei Erektionsstörungen angewendet.

Es handelt sich dabei um einen Inhibitor der Phosphodiesterase-Typ-5 (PDE 5), die unter anderem in der glatten Muskulatur der Schwellkörper des Penis und in der glatten Muskulatur der Lungengefäße lokalisiert ist. Durch die Hemmung der PDE 5 kommt zu einer Relaxation der glatten Muskulatur und einem vermehrten Bluteinstrom in das Penisgewebe, wodurch eine Erektion hervorgerufen wird – auf die Libido oder das Lustempfinden hat es allerdings keine direkten Auswirkungen. Die Entspannung der glatten Muskelzellen der Lungengefäße wird sich bei der Behandlung von pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) zu Nutze gemacht.

Die übliche Dosierung liegt bei Erektionsstörungen bei 50 mg, die Tablette sollte etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die Dosierung kann generell zwischen 25 mg und 100 mg liegen – pro Tag darf nur eine Einnahme erfolgen.

Häufige Nebenwirkungen von Sildenafil sind Schwindel, eine Veränderung des Farbensehens, Sehstörungen, Hitzewallungen, verstopfte Nase, Übelkeit oder Dyspepsie, sehr häufig treten Kopfschmerzen auf. Im Falle einer Sehstörung muss das Arzneimittel sofort abgesetzt werden. Sollte eine Erektion länger als vier Stunden andauern, müssen Patienten ihren Arzt oder ihre Ärztin aufsuchen, dieser Zustand kann zu einer irreparablen Impotenz führen.

Risiken für Wechselwirkungen

Es kann auch zu schwerwiegenden Wechselwirkungen kommen, gerade bei Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems ist Vorsicht geboten. Die Einnahme darf daher nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, die Präparate sind in Deutschland deshalb verschreibungspflichtig.

Sildenafil wird über die Leber-Enzyme CYP3A4 und CYP2C9 abgebaut, hier lauern Risiken für Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die sich auf dieselben Enzyme auswirken. Beispiele sind CYP3A4-Inhibitoren wie Ketoconazol, Erythromycin und Cimetidin, außerdem können die HIV-Protease-Hemmstoffe Ritonavir und Saquinavir die Plasmakonzentration von Sildenafil deutlich erhöhen. Durch Sildenafil kann eine Wirkverstärkung bei Riociguat, Alplablockern und Amlodipin hervorgerufen werden, bei der gleichzeitigen Einnahme des Vasodilatators Nicorandil kann es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen. Aufgrund des Risikos für einen Blutdruckabfall oder eine Dauererektion sollte auf die gleichzeitige Einnahme von Grapefruitsaft ebenfalls verzichtet werden.

Kontraindiziert ist die Einnahme unter anderem auch bei Patienten mit ausgeprägter Hypotonie (Blutdruck < 90/50 mmHg) oder schwerer Leberinsuffizienz oder wenn kürzlich ein Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten wurde.

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