Vitamin-A-Rezeptor

YCT529: Hoffnung für die hormonfreie Männerpille?

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Berlin -

Verhütung ist in den meisten Fällen immer noch Frauensache. Bis auf die Verwendung eines Kondoms bleibt den Männern kaum eine Option. Immer wieder versagen Wirkstoffkandidaten für „die Pille für den Mann“ – nicht selten aufgrund zu vieler Nebenwirkungen. Nun steigt ein neuer experimenteller Wirkstoff in den Ring: YCT529 verringert die Spermienproduktion innerhalb von vier Wochen drastisch – zumindest im Tierversuch.

Forscher:innen der University of Minnesota untersuchen seit rund vier Wochen YCT529 – einen neuen experimentellen Wirkstoff, der die Verhütung revolutionieren könnte. Denn es handelt sich um einen hormonfreien Wirkstoff, der die Spermienproduktion nur temporär herunterfährt. Sobald der Mann die Pille absetzt, kann er wieder Kinder zeugen. Sollte sich ein gutes Nebenwirkungsprofil abzeichnen, so könnte der Arzneistoff eine echte Alternative zum Kondom werden und die Bandbreite der Verhütungsmittel für den Mann erweitern.

Vitamin A spielt die Hauptrolle

Vitamin A kennen die meisten eher aus der Kosmetik. Retinolsäure soll als Anti-Aging-Wirkstoff die Faltenbildung verringern und das Hautbild ebenmäßiger erscheinen lassen. Doch Vitamin A kann weitaus mehr und übernimmt im Körper zahlreiche Aufgaben. So ist der Stoff beispielsweise an der Bildung von Spermien beteiligt. In den Hoden befinden sich Vitamin-A-Rezeptoren. Kommt kein Vitamin A an, so werden die Rezeptoren grob gesagt nicht stimuliert und die Bildung von Spermien bleibt aus. Der Wirkstoff besetzt als Inhibitor diese Retinsäurerezeptoren, sodass ankommendes Vitamin A nicht andocken kann – der Mann kann keine Spermien produzieren.

Im Tierversuch zeigte sich eine ausreichende Wirksamkeit nach vierwöchiger Einnahme. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent konnten die männlichen Mäuse keine Weibchen mehr befruchten. Nach dem Absetzen des Wirkstoffes wurde die Rezeptorblockade aufgehoben, Vitamin A konnte erneut binden und die Spermienproduktion wurde wieder aufgenommen.

Die Wissenschaftler:innen halten es für realistisch, dass die Pille, insofern alle klinischen Studien positiv verlaufen, in fünf Jahren auf den Markt kommen könnte. Eine riesige Herausforderung sehen die Forscher:innen jedoch abseits der notwendigen Dosisfindungsstudien, dem Erstellen eines Nebenwirkungsprofils und weiteren Untersuchungen: YCT529 muss mehr Schwangerschaften als die Konkurrenzmethode Kondomeinsatz verhindern um zugelassen zu werden.

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