Vagantin (Methantheliniumbromid, Dermapharm) ist weiterhin nicht lieferbar. Das Präparat ist das einzige in Deutschland zugelassene verschreibungspflichtige Arzneimittel, das primär und spezifisch für die Indikation Hyperhidrosis axillaris zugelassen ist. „Eine belastbare Aussage, ab wann Vagantin wieder lieferbar ist, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich“, erklärt Hersteller Dermapharm.
Seit Ende 2025 gehört Vagantin zum Produktportfolio von Dermapharm, nachdem es zuvor fünf Jahre lang durch Esteve Pharmaceuticals vertrieben wurde. „In der Vergangenheit kam es bei Vagantin bedauerlicherweise zu Lieferengpässen“, betont der neue Hersteller. „Wir betrachten es als unsere vordringliche Aufgabe, die Lieferfähigkeit des Produktes auf das Niveau des Dermapharm-Konzerns zu heben: Das bedeutet unterbrechungsfreie Lieferfähigkeit!“
Eine belastbare Aussage darüber, ab wann das Präparat wieder lieferbar ist, sei jedoch zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht möglich. „Über den weiteren Verlauf informieren wir die zuständigen Stellen wie gewohnt.“
Ursprünglich wurde Vagantin von Riemser Pharma entwickelt und unter dem Namen Vagantin Riemser etabliert. Im Jahr 2020 übernahm das spanische Unternehmen Esteve Pharmaceuticals die gesamte Riemser-Gruppe und damit auch dieses Präparat. Während dieser Phase kam es aufgrund einer Produktionsverlagerung zu erheblichen Lieferengpässen, die bis zum Übergang an Dermapharm Ende 2025 andauerten.
In der Lieferengpass-Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist Vagantin derzeit mit einem voraussichtlichen Engpassende Anfang Oktober dieses Jahres gelistet. Als Grund werden dort Probleme in der Herstellung angeführt.
Echte Alternativen fehlen für viele Betroffene weitgehend. Axhidrox (Glycopyrroniumbromid, Dr. Wolff) beschränkt sich auf die lokale Anwendung unter den Achseln und stellt für viele Patient:innen keine adäquate Lösung im Vergleich zum systemisch wirkenden Vagantin dar.
Mit Sormodren (Bornaprin, Mylan/Viatris) existiert zwar eine weitere systemische Therapieoption. Da Bornaprin jedoch die Blut-Hirn-Schranke überwindet, ist es mit erheblichen zentralnervösen Nebenwirkungen wie Schwindel oder Konzentrationsstörungen verbunden. Diese schränken die Alltagstauglichkeit – auch die Fahrtüchtigkeit – oft so stark ein, dass das Präparat für viele Betroffene keine adäquate Alternative zu Vagantin darstellt.
Off-Label-Ansätze sowie der Einsatz von Psychopharmaka, Tranquilizern oder Sedativa lindern zwar den hohen Leidensdruck, bekämpfen jedoch nicht die physiologische Ursache. Für diese Behandlungswege fehlen zudem kontrollierte Studien.
Hyperhidrose bezeichnet übermäßiges Schwitzen, das über die notwendige Regulierung der Körpertemperatur hinausgeht. Betroffene schwitzen unkontrolliert, unabhängig von körperlicher Anstrengung oder der Umgebungstemperatur.
Die primäre Form tritt meist örtlich begrenzt an Händen, Füßen oder unter den Achseln auf und kann genetisch bedingt sein.
Im Gegensatz dazu entsteht die sekundäre Form als Folge einer anderen Grunderkrankung – beispielsweise Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder hormonelle Veränderungen.