Vor einigen Monaten hatte sich bereits ein Lieferengpass bei Tardocillin (Benzylpenicillin-Benzathin, Infectopharm) abgezeichnet. Inzwischen ist das Arzneimittel in allen Packungsgrößen „außer Vertrieb“ gemeldet. Die Versorgung wird über eine Ausnahmegenehmigung für Ware aus Portugal gesichert. Bei der Anwendung gibt es jedoch Unterschiede.
Im September hat der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe die Versorgungssituation von Benzylpenicllin-Benzathin als kritisch eingestuft. Zu dem Zeitpunkt war bereits absehbar, dass der Bestand nur bis Anfang 2026 reichen würde. In der Folge wurde im Januar ein Versorgungsmangel festgestellt und somit der Import erleichtert.
Ursache für den Engpass ist die Einstellung der Produktion bei den bisherigen Lohnherstellern, teilt Infectopharm mit. Entsprechend wurde Tardocillin außer Vertrieb gemeldet – die Packung zu zwei Stück bereits zum 1. Mai und die Einzel- sowie Sechserpackung zur Monatsmitte.
Restbestände können weiterhin abgegeben werden. Der Status „AV“ lässt sich nicht mehr revidieren und bedeutet, dass das Arzneimittel nicht mehr ausgeliefert wird. Im Verkehr befindliche Ware kann jedoch weiterhin abgegeben werden.
Eine Ausnahmeregelung gestattet Pädia den Vertrieb von Benzylpenicillin-Benzathin aus Portugal – Lentocilin S1200 Atral 1.200.000 I.E./4 ml. Das Arzneimittel zur parenteralen Gabe ist unter der PZN 20375044 gelistet, kann über den Großhandel bestellt und zulasten der Kassen abgerechnet werden. Parallel arbeitete Infectopharm mit höchster Priorität an einer tragfähigen Produktionsabsicherung im europäischen Raum.
Tardocillin ist eine Injektionssuspension, die anwendungsfertig und zur intramuskulären Injektion geeignet ist. Eine Flasche mit 4 ml Injektionssuspension enthält 1,2 Millionen Einheiten (entspricht 916,7 mg) Benzylpenicillin-Benzathin. Außerdem ist zur Linderung des Anfangsschmerzes das Lokalanästhetikum Lidocainhydrochlorid enthalten.
Lentocillin S1200 muss rekonstituiert werden. Einer Packung liegen Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektionssuspension bei. Zudem enthält jede Ampulle 60 mg Lidocainhydrochlorid. Die Lentocilin-S-Injektionssuspension darf laut Fachinformation ausschließlich als tiefe intramuskuläre Injektion verabreicht werden.
Benzylpenicillin-Benzathin gehört zu den Betalactamen und hemmt die bakterielle Zellwandsynthese in der Wachstumsphase durch Blockade der Penicillin-bindenden Proteine (PBPs). Der Wirkstoff ist zugelassen zur Langzeitbehandlung von chronischen Streptokokkeninfektionen wie beispielsweise rheumatischem Fieber als Rezidivprophylaxe, um insbesondere eine rheumatische Karditis zu verhindern. Außerdem kommt der Wirkstoff zur Behandlung von Frühsyphilis und Syphilis mit einer mehr als einjährigen Infektionsdauer mit Ausnahme der Neurosyphilis bei Kindern, Erwachsenen und Jugendlichen zum Einsatz.
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