„Die Kundin entscheidet“

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Berlin -

Die Generikaindustrie hat Frauen als Zielgruppe neu entdeckt. Am liebsten würden die Hersteller ihre Kundinnen ein Leben lang an sich binden: Ob Verhütung, Schwangerschaft oder Menopause – in allen Lebenslagen sollen Frauen der Marke treu bleiben. Während im Rx-Bereich im Wesentlichen der Arzt entscheidet, brauchen die Firmen im OTC- und Freiwahlbereich die Apotheken die Unterstützung der Apotheken. APOTHEKE ADHOC sprach mit Ingrid Blumenthal, Geschäftsführerin bei der Stada-Tochter Aliud, über die Ansprache von Frauen, die Strategie der Unternehmen und die Chancen für die Apotheken.

ADHOC: Warum ist der Bereich Frauengesundheit für Generikahersteller attraktiv?

BLUMENTHAL: Frauengesundheit ist ganz grundsätzlich ein wichtiges Thema. Die Hauptzielgruppe in der Apotheke und damit auch für uns ist die gesundheitsbewusste Frau, die für sich selbst, aber auch für ihre Familie Medikamente einkauft. Frauen kümmern sich um ihre Gesundheit, beobachten ihren Körper genau und nehmen Veränderungen wahr.

ADHOC: Wie erreicht man diese Zielgruppe?

BLUMENTHAL: Die Ansprache muss breit gefächert sein. Beim Thema Frauengesundheit sprechen wir die junge Frau in der Pubertät genauso an wie die reife Frau. Wichtig dabei ist, die unterschiedlichen Informations-Kanäle der jeweiligen Altersgruppen zu nutzen, um die gesamte Zielgruppe individuell abzuholen.

ADHOC: Welche Produktgruppen sind interessant?

BLUMENTHAL: Um langfristig zu planen und Tendenzen zu erkennen, führen wir ständig Marktanalysen durch. Darüber hinaus verfügen wir über einen firmeneigenen Beirat aus Ärzten und Ärztinnen sowie Apothekern und Apothekerinnen. Diese berücksichtigen aus eigener Erfahrung die Belange, die für uns von besonderem Interesse sind. So können wir Portfolio-Entscheidungen treffen, die sich für alle rechnen.

ADHOC: Was haben die Apotheken davon?

BLUMENTHAL: Wir unterstützen die Apotheken beispielsweise beim Abverkauf durch Endkunden-Aktionen am POS und besondere Konditionen für passende OTC-Frauenprodukte und Kontrazeptiva. Einen großen Fokus legen wir aber eben auch auf unseren Informationsservice mit einem neuen Ratgeber von A bis Z zur Frauengesundheit und Fortbildungsangebote.

Ergänzend zu den klassischen Maßnahmen sollen künftig in den Apotheken Multitouch-Systeme eingesetzt werden. Über diese Technologie lassen sich Inhalte nicht nur auf einem Display darstellen, sondern vor allem auch der Dialog mit den Patienten fördern.

 

ADHOC: Wie kommen die Produkte in die Sichtwahl?

BLUMENTHAL: Produkte kommen durch verstärkte Marketingmaßnahmen, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, Kundenzufriedenheit und Vertrauen in die Produkte in die Sichtwahl. Aber auch durch eine aufmerksamkeitsstarke Verpackung. Auch hier planen wir einen Verpackungsrelaunch, in den unser neues Markenverständnis einfließt.

ADHOC: Was unterscheidet diesen Bereich vom klassischen Generikageschäft? Wo sind Chancen, wo Risiken?

BLUMENTHAL: Das klassische Generikageschäft ist stark rabattvertragsgeregelt. Im Bereich Frauengesundheit bieten wir viele OTC- und Lifestyle-Produkte an, bei denen die Kundin selbst entscheiden und Einfluss nehmen kann, welches Produkt sie wählt.

ADHOC: Wie wichtig ist der Preis?

BLUMENTHAL: Ein attraktives und dennoch solides Pricing ist sicher ein Erfolgsfaktor. Wichtig ist aber, dass die Kunden wissen, dass wir für Qualität und Service stehen und hier auch keine Kompromisse eingehen.

ADHOC: Was ist mit Männergesundheit?

BLUMENTHAL: Wir legen auch hier sehr viel Wert auf Gleichberechtigung, denn die Männergesundheit ist sicher nicht weniger wichtig als die der Frauen. Konkretes können wir hierzu noch nicht sagen, aber wir arbeiten daran.

 

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