Jubiläum

BPI feiert 75 Jahre

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Berlin -

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) feiert dieses Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. Der Verband begeht das Jubiläum unter dem Motto „75+ BPI“. „Das Plus heißt, der BPI hat Zukunft. Das Plus steht aber auch für unseren Anspruch“, erklärte der Vorsitzende Oliver Kirst. Der Verband wolle Ansprechpartner für die Mitglieder, aber auch für die Politik sein. Für jeden, der mit dem BPI Kontakt habe, solle dies auch ein Mehrwert sein.

„Vieles, was heute selbstverständlich ist, hat man in hitzigen Diskussionen erringen müssen“, sagte Kirst. Die Geschichte des BPI habe nach Kriegsende begonnen. Das Gründungsjahr des BPI, 1951, sei in die Zeit des Wiederaufbaus und des deutschen Wirtschaftswunders gefallen. „An dieser großen Erfolgsgeschichte war die Pharmabranche wesentlich beteiligt“, betonte er. Die Unternehmen, die sich damals zusammenschlossen, wurden zur „Apotheke der Welt“.

Heute sehe es anders aus: Ein halb gefülltes Glas könne zwar als halbvoll oder halbleer bezeichnet werden, doch die aktuelle Lage gebe wenig Anlass zu Optimismus, betonte er. Aus der Politik heiße es, man brauche Strukturreformen, doch das, was aktuell diskutiert werde, seien keine Strukturreformen, sondern Sparpläne. Dabei könne die pharmazeutische Industrie auch heute ein Innovations- und Wachstumstreiber sein, betonte er. „1951 hätte sich niemand mit einem halbvollen Glas zufriedengegeben“, so Kirst.

Dorothee Bär spricht auf einer Veranstaltung
Ob und welche Korrekturen an der geplanten GKV-Sparreform noch möglich seien, ließ Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) offen. Allerdings betonte sie, dass kein Gesetz das Parlament so verlasse, wie es hineingehe.Foto: APOTHEKE ADHOC

„Zum Aufbruch blasen“

Man habe als Bundesregierung den Entschluss gefasst, alles daran zu setzen, damit Wachstum und Wohlstand wieder möglich sind – auch im Pharmabereich, erklärte Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU). Sie sei hergekommen, um gemeinsam 75 Jahre BPI zu feiern, aber auch, um „gemeinsam zum Aufbruch zu blasen“. Die Gesundheitsforschung habe ihr auch vor ihrem Ministeramt bereits sehr am Herzen gelegen, insbesondere die Frauengesundheit. Älter zu werden sei das eine, gesund älter zu werden das eigentliche Ziel.

Als Schlüsseltechnologien für den Pharmabereich seien Künstliche Intelligenz (KI), Mikroelektronik und Biotechnologie entscheidend. Man müsse aus exzellenter Forschung konsequent exzellente Produkte machen, betonte sie. Die Hightech-Agenda Deutschland sei dabei kein reines Förderprogramm, sondern ein wirtschaftspolitischer Zukunftsvertrag, so Bär. Deutschland habe mit seiner Forschungslandschaft und starke Unternehmen die besten Voraussetzungen. Die Pharmaindustrie investiere rund 17 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung, lobte Bär. Die Forschung von heute sei die Medizin von morgen – darauf liege wahnsinnig viel Hoffnung.

Auf das Thema Engpässe kam die Ministerin ebenfalls zu sprechen. Deutschland müsse im Pharmabereich unabhängiger werden. Das gemeinsame Ziel müsse sein, dass die Arzneimittel im eigenen Land entstehen.

Kritik am Spargesetz

Kirst fragte die Ministerin, ob man am geplanten GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) noch etwas drehen könne. Bär betonte, dass kein Gesetz den Bundestag so verlasse, wie es hineingegangen sei. Man müsse nun prüfen, inwieweit in den Verhandlungen mit den Ländern, Verbänden und der Industrie noch Korrekturen möglich seien. Es wäre am Ende niemandem geholfen, wenn die Industrie abwandere und dadurch weniger Steuereinnahmen generiert würden, erklärte sie. Versprechen machte sie jedoch keine.

Logo: 75+ BPI
Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) feiert dieses Jahr sein 75-jähriges Jubiläum. Foto: APOTHEKE ADHOC

Von 1951 bis heute

Die Geschichte des BPI habe nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Zusammenschluss von Firmen auf Landesebene begonnen. Im Februar 1951 ist dann in Bad Homburg der Verband gegründet worden. Unter dem ersten Vorsitzenden Dr. Karl Merck und mit Sitz in Frankfurt am Main initiierte der Verband noch im Gründungsjahr die Herausgabe der „Roten Liste“, die seit 2006 von einem gemeinsamen Tochterunternehmen mit dem Verband Forschender Arzneimittel (vfa) verlegt wird. Der Verband vertrat damals nach eigenen Angaben mehr als 600 Mitgliedsfirmen und damit rund 95 Prozent der deutschen Arzneimittelproduktion für Human- und Veterinärmedizin.

Ein früher Meilenstein sei die Mitwirkung am ersten Arzneimittelgesetz von 1961 gewesen. Als Reaktion auf den Contergan-Skandal habe der BPI zudem strengere interne Kontrollen sowie Werberichtlinien eingeführt. 1969 folgte der „Rote-Hand-Brief“ zur schnellen Information über Nebenwirkungen. 1975 habe der Verband seine Mitglieder auf eine „Packungsbeilagen-Richtlinie“ verpflichtet. Auch den bekannten Spruch „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ habe der Verband mitgeprägt.

Auch das zweite Arzneimittelgesetz von 1976 habe der Verband begleitet, mit dem unter anderem der Nachweis von Wirksamkeit und Unbedenklichkeit sowie die Benennung von Stufenplanbeauftragten vorgeschrieben worden seien. Nach dem Mauerfall seien zudem ostdeutsche Pharmafirmen integriert worden. Im Jahr 1993 kam es zu einer Spaltung, als große multinationale Konzerne den vfa gründeten, woraufhin sich der BPI als mittelständischer Verband zur Sicherung der Therapievielfalt neu positioniert habe. 1995 sei auch durch die politische Arbeit des Verbandes die Einführung einer restriktiven „Positivliste“ verhindert worden.

1999 zog der BPI nach Berlin um, um näher am politischen Geschehen zu sein. Zur Förderung von Complianceregeln wurde 2007 der Verein „Arzneimittel und Kooperation im Gesundheitswesen“ (AKG) ins Leben gerufen, im Folgejahr eröffnete der BPI eine Repräsentanz in Brüssel. Ab 2014 habe sich der Verband verstärkt gegen Lieferengpässe positioniert, die er auf preiszentrierte Rabattverträge zurückführe. Auch an der Einführung von Securpharm war der BPI maßgeblich beteiligt. 2019 startete die Imagekampagne „Wir wirken“. Während der Covid-Pandemie habe der BPI die Produktionskapazitäten koordiniert und seine Kernforderung nach einer Stärkung des Standorts Deutschland erfolgreich in der Nationalen Pharmastrategie platziert.

Zwei Versuche, mit dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH, heute Pharma Deutschland) zu fusionieren, scheiterten. Weder 2020 noch 2023 kamen beim BPI genügend Stimmen für das sorgfältig geplante Vorhaben zustande. Es waren viele kleinere Unternehmen, die unter dem Einfluss der früheren Verbandsspitze dagegen stimmten.

Doch beim BPI ging es auch danach kraftvoll weiter. Unter dem seit 2023 amtierenden Vorsitzenden wurde 2024 zudem die fachübergreifende Initiative „Gute Gesundheit 2030“ gestartet, die Ende 2025 ihren Ergebnisbericht an die Bundesregierung übergeben hat. Zudem hat der Verband mit der neuen Fachabteilung „BPIvet“ das Konzept „One Health“ integriert. Angesichts der Regierungspläne von 2025, Deutschland zum führenden Pharmastandort auszubauen, begleite der BPI diesen Prozess weiterhin im Rahmen des aktuellen Pharma- und Medizintechnikdialogs und mahnt gleichzeitig spürbare Verbesserungen der Rahmenbedingungen an. Mit Blick auf das aktuell geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) warnt der Verband vor einer drohenden De-Industrialisierung. „Die Dynamisierung des Herstellerabschlags ist in Wahrheit ein Stoppschild für medizinischen Fortschritt“, warnt Kirst.

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