BMWi fördert Tabletten-Dispenser | APOTHEKE ADHOC
Verblisterung und Einnahmekontrolle

BMWi fördert Tabletten-Dispenser

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Berlin -

Die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann eine Herausforderung sein. Deshalb hat Compware Medical das IT-gestützte Tabletteneinnahmesystem „Maja sana“ entwickelt. Verschiedene Elemente sollen eine optimale Compliance sicherstellen. Die Apotheke fungiert dabei als zentraler Dreh- und Angelpunkt. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) gefördert und soll bereits im nächsten Jahr zur Marktreife kommen.

Morgens die kleine Gelbe, mittags die runde Weiße und abends ganz viele: Für viele Menschen gehört die Einnahme von Medikamenten zum Alltag. Ab fünf Substanzen oder mehr ist die Rede von einer Polypharmazie. Über zehn Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen. Doch die Einnahme birgt ihre Risiken: Nebenwirkungen, Falscheinnahmen oder gar Nichteinnahmen sind die Folge einer Medikamentenflut, welche Betroffene und Angehörige oftmals überfordert.

Apotheke als zentraler Dreh- und Angelpunkt

Hier kann die Apotheke als kompetenter Ansprechpartner punkten: Die Vorbereitung der Medikamente sowie das Rezeptmanagement stellen dabei wesentliche Faktoren dar. Als besonders sicher gilt dabei die maschinelle Verblisterung, da manuelle Fehldosierungen verhindert werden. Gerd Meyer-Philippi hat mit seinem Unternehmen Compware Medical 2018 angefangen, an einer digitalen Lösung in diesem Bereich zu arbeiten. Das Ergebnis: ein automatischer Medikamenten-Dispenser für sieben Tage, eine App für Patienten, Angehörige oder den Pflegedienst und all das mit der Vor-Ort-Apotheke als Zentrum. „Wenn einer Medikamenten-Management kann, dann die Apotheke – den meisten Menschen ist gar nicht bewusst, was die Apotheke alles macht“, meint Meyer-Philippi.

Das IT-gestützte Tabletteneinnahmesystem „Maja sana“ ist eine Innovation: Durch die digitale Technologie sollen Schwachstellen der bisherigen Medikamentenversorgung verbessert werden. „Dadurch soll nicht nur der Betroffene selbst, sondern auch die Angehörigen und weitere Beteiligte wie der Pflegedienst entlastet werden.“ Alle relevanten Prozesse von der Apotheke bis zur Einnahme werden unterstützt, falls notwendig werden Angehörige oder Dritte miteinbezogen – beispielsweise bei einer Nichteinnahme. Der Dispenser zeichnet alle Einnahmen auf, falls gewünscht kann die Einnahme parallel mit einer App unterstützt werden – dies ist jedoch nicht zwingend notwendig. Die Historie kann jederzeit eingesehen werden, außerdem können Bluetooth-Geräte wie ein Blutdruckmessgerät gekoppelt und die entsprechenden Daten gespeichert werden. „So werden alle Daten gebündelt und stehen beispielsweise bei einem Arztbesuch zur Verfügung“, erläutert Meyer-Philippi.

Unterstützung bei der Compliance

Der Dispenser, welcher von der Apotheke zur Verfügung gestellt wird, enthält ein spezielles Magazin mit einem Schlauchblister für sieben Tage mit beliebig vielen Einnahmezeitpunkten. Diese werden meist in Zusammenarbeit mit einem Blisterzentrum erstellt. Entscheidet sich ein Kunde für das System, wird der Medikationsplan entsprechend in der Apotheke eingelesen. Die Daten wandern in eine zentrale Cloud wodurch der Dispenser, welcher ein integriertes Tablet enthält, immer auf dem aktuellsten Stand ist.

Der Patient wird dann zu jeder Einnahme vom Dispenser erinnert – sowohl optisch wie auch akustisch – und gibt passende Einnahmehinweise. Die Bedienung ist dabei ganz einfach und auch für Senioren geeignet, die nicht technikaffin sind. „Dank einer 1-Knopf-Bedienung ist das ganz leicht“, erklärt Meyer-Philippi. Betätigt der Patient den Knopf, wird der passende Beutel automatisch ausgegeben. Jeder Beutel ist dabei mit den notwendigen Informationen beschriftet und enthält einen Strichcode. Der nächste Einnahmezeitpunkt wird dem Patienten dann bereits angekündigt. „Ist der Betroffene zu diesem Zeitpunkt unterwegs, kann der Beutel bereits früher ausgegeben und mitgenommen werden.“ Über die App kann der Beutel dann nochmals gegengescannt werden, um zu prüfen, ob es sich um den richtigen Einnahmezeitpunkt handelt.

Verpasst der Betroffene den Einnahmezeitpunkt und reagiert nicht auf die Erinnerung, werden nach einem bestimmten Zeitraum automatisch die Angehörigen oder der Pflegedienst über eine App informiert. „Es kann sein, dass der Betroffene die Einnahme nur vergessen hat, im schlimmsten Fall ist jedoch etwas passiert – so kann man rechtzeitig reagieren.“

Eventuelle Medikationsänderungen werden vom Apotheker erfasst und automatisch auch an den Dispenser geschickt. „Dringende Änderungen können notfalls vom Apotheker vorgenommen werden, indem der Blister vorsichtig geöffnet und wieder verschlossen wird.“ Alle Änderungen, die nicht zwingend sofort erforderlich sind, folgen für die nächste Woche.

Chancen für die Apotheke

Für die Apotheke seien keine Investitionen notwendig, erklärt Meyer-Philippi. Nach einer Zertifizierung und Einweisung muss lediglich das System initialisiert werden. Dabei werden Patient und Medikationsplan angelegt und der Benutzer entsprechend eingewiesen. „Für Apotheken kann das ein lukratives Zusatzgeschäft sein“, erklärt Meyer-Philippi. Denn auch Nahrungsergänzungsmittel können in das System eingepflegt werden. „Außerdem wird die Kundenbeziehung gestärkt und gesichert.“ Alle verordneten Medikamente laufen durch das System in der Apotheke zusammen, Folgerezepte können so rechtzeitig bestellt werden.

Ende des Jahres soll der Testbetrieb mit „Maja sana“ starten, welcher von Apotheken, Krankenkassen und Ärzten begleitet wird. Im ersten oder zweiten Quartal 2021 soll das System dann auch für alle anderen Apotheken zur Verfügung stehen. Für die Patienten belaufen sich die Mietkosten des Dispensers auf unter 40 Euro pro Monat. „Das ist vergleichbar mit einem Hausnotruf“, meint Meyer-Philippi. „Der Anwender ist Kunde der Apotheke: Somit berechnet die Apotheke die Miete an den Anwender oder gegebenenfalls auch an die Angehörigen. Sollte zukünftig auch eine Krankenkassen-Vergütung erfolgen, so dürfte diese direkt an den betroffenen Anwender erstattet werden.“ Denn auf Dauer soll das geförderte Projekt zumindest teilweise von den Krankenkassen übernommen werden. „Gespräche dazu laufen bereits“, versichert Meyer-Philippi. „Menschen sollen durch das System länger selbstbestimmt leben können – wir liefern nur das Handwerkszeug dafür, der Experte bleibt der Apotheker.“

 

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