Selektivverträge

Zur Rose: 20 Prozent Rabatt gegen Apothekenwahlfreiheit

, Uhr
Berlin -

Die Versandapotheke Zur Rose bietet in der Schweiz gemeinsam mit der Krankenversicherung KPT ein neues Grundversicherungsmodell an: Dieses schränkt die Apothekenwahlfreiheit über einen Selektivvertrag ein. Für einen Prämienrabatt von bis zu 20 Prozent verpflichten sich die Versicherten, vor der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen einen telemedizinischen Beratungsdienst zu kontaktieren. Rezeptpflichtige Medikamente beziehen die Patienten dann ausschließlich vom behandelnden Arzt oder bei Zur Rose.

Versicherte des neuen Produkts KPTwin.easy müssen zunächst das telemedizinische Beratungszentrum Medi24 konsultieren, bevor sie medizinische Leistungen in Anspruch nehmen. Das Fachpersonal des Beratungszentrums zeigt aufgrund eines Gesprächs mit dem Versicherten den Behandlungspfad auf und überweist den Patienten im Bedarfsfall an einen Allgemeinarzt oder Spezialisten.

Im Falle der Verschreibung von Arzneimitteln verpflichten sich die Versicherten, die Medikamente ausschließlich von Zur Rose zu beziehen – über den Versandkanal oder die stationären Zur Rose-Apotheken. Ausgenommen von dieser Regelung sind Fälle, bei denen das Medikament dringend eingenommen werden muss. Die Versicherten von KPTwin.easy erklären sich zudem damit einverstanden, dass verschriebene Originalpräparate durch Generika ersetzt werden, sofern diese günstiger sind und aus medizinischen Gründen nichts dagegen spricht.

Der Medikamentenbezug über den Versand entspreche einem Kundenbedürfnis, teilte Zur Rose mit. Er sei zeitsparend, da der Gang zur Apotheke entfalle, und kostengünstig: Rezeptpflichtige Medikamente seien bei Zur Rose durchschnittlich 12 Prozent günstiger als in anderen Schweizer Apotheken, denn das Unternehmen gewähre Rabatte und verrechne keine Medikamenten- und Bezugschecks. Der CEO der Zur Rose-Gruppe, Walter Oberhänsli, ist überzeugt: „Mit dem neuen Modell leisten wir einen Beitrag an die Senkung der Gesundheitskosten und bieten den Versicherten gleichzeitig eine äußerst sichere, günstige und attraktive Medikamentenversorgung.“

In jüngster Zeit ist Zur Rose mit verschiedenen Aktivitäten in der Schweiz in die Offensive gegangen. In Bern eröffnete Zur Rose im letzten Jahr eine Präsenzapotheke. Parallel wurde die erste Miniapotheke in einer Filiale der Supermarktkette Migros eröffnet. Damit kam auch gleich ein neuer Großkunde für die Sparte Praxisgroßhandel dazu: Zur Rose beliefert die Migros-Tochter Medbase exklusiv mit Medikamenten.

Migros betreibt neben Supermärkten auch das größte Netzwerk in der ambulanten medizinischen Grundversorgung der Schweiz. Seit mehr als 30 Jahren gehören Sport- und Golfparks und Fitnesszentren zur Genossenschaft. 1 Prozent des Umsatzes steckt die Gruppe in eigene Gesundheits- und Bildungsprojekte. Zu diesem Bereich gehört auch Medbase mit 37 physiotherapeutischen Gesundheitszentren. Zu ihnen zählen die 23 ehemals unter Santémed firmierenden Gemeinschaftspraxen, in der je nach Standort auch Gynäkologen, Dermatologen, Kinder- und Jugendmediziner sowie Psychiater tätig sind.

Insgesamt arbeiten in dem Bereich rund 950 Beschäftigte. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Sportmedizin, die Gesundheitsprävention und Rehabilitations- und Integrationsmedizin. Kunden der Migros-Märkte können von Kombiangeboten profitieren. Nach eigenen Angaben betreut die Medbase-Gruppe aktuell 450.000 Patienten, die insgesamt für 1,8 Millionen Praxisbesuche sorgen.

Am 6. Juli dieses Jahres ging Zur Rose zudem an die Schweizer Börse. Durch die Ausgabe von 1,4 Millionen neuen Aktien sind der Gruppe knapp 200 Millionen Franken zugeflossen. Die Nachfrage war groß, das Orderbuch mehrfach überzeichnet. Der Platzierungspreis lag mit 140 Franken am oberen Ende der Preisspanne. Zugegriffen haben laut Zur Rose institutionelle Investoren aus Europa – vor allem der Schweiz, Deutschland und Großbritannien – und den USA sowie Privatanleger aus der Schweiz.

Die aus dem Börsengang zufließenden Mittel sollen für den Ausbau der Marktführerschaft der Gruppe in Deutschland, die Expansion in andere ausgewählte europäische Märkte, die Entwicklung von integrierten Digitalisierungsinitiativen und die Nutzung der bei jeder Transaktion gewonnenen Daten genutzt werden. „Wir wollen unsere Marktführerschaft im Arzneimittelversandhandel weiter ausbauen“, sagte CEO Walter Oberhänsli dem Nachrichtenmagazin Focus: „DocMorris entwickelt sich Schritt für Schritt vom Arzneimittelhändler zum digitalen Gesundheitsberater.“

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Keine Sicherheitsbedenken
Impfstoff-mRNA in Muttermilch»
Sars-CoV2-Arbeitsschutzverordnung verlängert
Hygienekonzept: Was gilt in Apotheken?»
Schlafprobleme bei Kindern möglich
Paracetamol: Gefahr in der Schwangerschaft?»
Diabetiker:innen bekommen Schwierigkeiten
Lieferengpass bei Insuman: Pen statt Patrone»
Fettleibigkeit verschlechtert die Prognose
Adipozyten fördern Brustkrebswachstum»
ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick
Kassen schicken Geldtransporter zu Apotheke»
Preisanpassung bei Apothekenserver
NGDA: Securpharm wird teurer»
Funktion der Immunzellen gestört
Zecken: Speichel hemmt Abwehr»
Limit für geringfügige Beschäftigung erhöht
Minijob: 70 Euro mehr verdienen»
A-Ausgabe Oktober
90 Seconds of my life»
Kompetenter Begleiter für alle Leser:innen ab 60
my life Senioren»
Das Kindermagazin der my life Familie
Platsch»
Debatte geht in die nächste Runde
EMA befürwortet Biosimilar-Austausch»
Jede Verordnungszeile einzeln
Mehrfachverordnungen: Wie wird beliefert?»
Was wird von der Kasse erstattet
Retaxgefahr: Sprechstundenbedarf auf Rezept»