USA

Gerichtsakte: Amazon verhandelt mit Krankenversicherern Tobias Lau, 03.07.2019 15:31 Uhr

Berlin - Amazon hängt wie ein Damoklesschwert über dem Arzneimittelmarkt: Auch hierzulande wird mit Argusaugen beobachtet, wie der Versandhandelsgigant versucht, sich im US-Gesundheitswesen breit zu machen. Denn ist das Großprojekt erfolgreich, wird Amazon als nächstes versuchen, in Europa Fuß zu fassen – dagegen sähen Zur Rose & Co. aus wie kleine Familienbetriebe. Ein Rechtsstreit zwischen der Apothekenkette CVS und Amazon hat nun heikle Details dazu ans Licht gebracht, wie der Konzern Arzneimittelpreise drücken will, indem er Rezepte selbst abrechnet.

Allein dass sich Amazon bisher standhaft weigert, sich bei seiner Strategie für den Gesundheitsmarkt in die Karten schauen zu lassen, verursacht bei den Akteuren am Markt höchste Nervosität – auch wenn sie nach außen natürlich das Gegenteil behaupten. Denn langfristig sehen Marktbeobachter enormes Disruptionspotential. Dieser Annahme liegt auch der Rechtsstreit zwischen Amazon und CVS zugrunde: Der Versandkonzern hatte John Lavin rekrutiert, einen ehemaligen Spitzenmanager der CVS-Tochter Caremark, einem Pharmacy Benefit Manager (PBM), die in den USA maßgeblich die Preisbildung bei Arzneimitteln steuern: Die Unternehmen handeln Abgabepreise und Rabatte aus und bestimmen so, welche Arzneimittel für die Versicherten zu welchem Preis in den Apotheken abgegeben werden.

Im Frühjahr hatte Lavin seinen Arbeitgeber darüber informiert, dass er das Unternehmen verlässt, um eine leitende Position bei Pillpack einzunehmen. Daraufhin zog CVS vor Gericht. Das Argument: Der Postenwechsel stelle eine erhebliche Gefahr dar, da Lavin seine internen Kenntnisse nutzen werde, um das Geschäftsmodell von CVS Caremark zu zerstören. Denn trotz Dementi gebe es Belege dafür, dass der Konzern plant, den bisherigen Aufbau des Gesundheitssystems zu umgehen, indem er seine Marktmacht nutzt, um Preise und Rabatte direkt mit den Versicherungen zu verhandeln.

„Angesichts seiner robusten Infrastruktur, seiner betrieblichen Kapazitäten und der Reichweite seines Vertriebs ist Amazon-Pillpack in einer einzigartigen Position, um direkt mit Kostenträgern (Versicherern) zu verhandeln und so die Dienstleistungen von CVS Caremark zu verdrängen“, heißt es in der Klageschrift. Die Sorge: Lavin wurde angeheuert, um seine Kontakte zu den Versicherern zu nutzen und mit ihnen im Namen von Pillpack bessere Verträge auszuhandeln. Und CVS liefert in seiner Klageschrift auch konkrete Informationen, um seine Furcht zu untermauern: „Erst kürzlich hat Amazon-Pillpack in direkte Gespräche mit Blue Cross Blue Shield begonnen, einem Verbund von 36 Krankenversicherern, bei denen insgesamt 100 Millionen Amerikaner versichert sind, um deren Mitglieder mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu beliefern.“

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Corona-Arzneimittel

Eil-Verordnung: Klinikapotheken müssen Vorräte aufstocken»

BfArM lockert Abgabe

Hydroxychloroquin: Aufhebung der Versorgungsregelungen»

Hautläsionen durch Sars-CoV-2

Covid-Zehen durch Endothelinfektion»
Markt

Außendienstler in eigener Mission

Konnektoren-Krieg: Awinta entschuldigt sich bei Red Medical»

Neues Design, erweitertes Portfolio

Bayer bringt neues Iberogast»

Interview

„Unsere Plattform wird Amazon haushoch überlegen sein“»
Politik

Grippeschutzimpfungen

Erstes Modellprojekt: Apotheker impfen in Nordrhein»

Auch Kritik aus China

Spahn zu WHO-Austrittsankündigung der USA: „Herber Rückschlag”»

Stellungnahme zu Selbsttötung

BAK gegen Kontrahierungszwang bei Sterbehilfe»
Internationales

Österreich

Wirkstoffverordnung: Hersteller gegen Gesundheitsminister»

Gesundheitsausschuss stimmt für Festpreise

Schweiz: Apotheker sollen nur noch das Billigste abgeben»

Führungswechsel

EMA: Pharmazeutin als neue Geschäftsführerin»
Pharmazie

Selbstbestimmtes Sterben

Pentobarbital: Vom Schlaf in den Tod»

Integrität der Verpackung beeinträchtigt

PosiFlush: Unsterile Primärverpackung»

Erste gezielte Therapieoption in Sicht

Gefapixant gegen chronischen Husten»
Panorama

Timo coacht

Digitalisierung: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen»

WHO

Kampf gegen HIV und Aids in Gefahr – wegen Corona»

Nachhaltigkeitsprojekt

Apothekenwald: Die ersten Bäume sind gepflanzt»
Apothekenpraxis

Jugendliche bedrohen Apothekerin mit Pistole

Bewaffneter Raubüberfall: Gericht verurteilt zwei 16-Jährige»

Maßnahmen im Epidemie- oder Pandemiefall

Pharmazieräte: Apotheken sollten Betriebsärzte bestellen»

Wieder mit Phoenix vereint

MVDA: AEP hat ausgedient»
PTA Live

ZL prüft Ophthalmika

Ringversuch: Hypertone Natriumchlorid-Augentropfen»

Auf den Bindungspartner achten

Dosierung anpassen: Coffein oder Coffeincitrat?»

Frau zieht im Verkaufsraum blank

Braunschweig: Popo-Diebin schlägt schon wieder zu»
Erkältungs-Tipps

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»

Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung

Infekte in der warmen Jahreszeit»
Magen-Darm & Co.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: Schubweises Leiden»

Besondere Ernährungsformen

Low-carb und Keto: Verzicht auf Kohlenhydrate»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»

Bluthochdruck, Diabetes & Co.

Chronische Erkrankungen in der Schwangerschaft»

Engmaschige Vorsorgemöglichkeiten

Risikoschwangerschaft: Von Fruchtwasseruntersuchung und iGeL»
Medizinisches Cannabis

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»

Cannabispreisverordnung

Tilray: „Auch wir haben auf die Änderungen reagiert“»
HAUTsache gesund und schön

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»

Neue Kosmetikkonzepte

Hygiene in die Pflegeroutine integrieren»

Sommerzeit = Sonnenbrandzeit

Sonnenschutz: Mindestens LSF 30»