Rechenzentren machen Druck: Gutachten zum E-Rezept

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Berlin -

Die Rechenzentren warnen vor ungelösten Fragen bei der Abrechnung von E-Rezepten. Der Verband Deutscher Apothekenrechenzentren (VDARZ) befürchtet, dass die Risiken – und damit zusätzliche Kosten – auf die Apotheken verlagert werden. Der Verband hat deshalb ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um den Deutschen Apothekerverband (DAV) mit einer sachlichen Analyse auf die Probleme aufmerksam zu machen. Der VDARZ tut dies aus gestärkter Position – denn nach Informationen von APOTHEKE ADHOC ist Marktführer Noventi dem Verband nun beigetreten.

Die Rechenzentren weisen seit Monaten darauf hin, dass zentrale Fragen der Abrechnung nicht geklärt sind, insbesondere der extrem kritisch Haftungsübergang. Denn eine qualifizierte Quittung für die Übergabe der Rezepte an die Krankenkassen gibt es bislang nicht. Auch über technischen Probleme bei der Abrechnung war bereits Anfang November berichtet worden.

Außerdem meint der VDARZ eine ganze Reihe von Schwachstellen bei den Signaturen des E-Rezeptes ausgemacht zu haben. Dies betrifft veraltete Standards bei verwendeten Zertifikaten, aufgetretene Probleme bei den Signaturen von Testausweisen einzelner Anbieter oder das Fehlen eines qualifizierten Zeitstempels. Der Zeitpunkt, wann eine Signatur erstellt wurde, sei damit nicht fälschungssicher. Mit einem gestohlenen HBA könnte theoretisch ein zurückdatiertes Dokument erstellt werden, das damit formal gültig wäre.

Aufgrund dieser und weiterer Unsicherheiten befürchten die Rechenzentren das Schlimmste: Dass eine Kasse die gesamte Datenlieferung und damit im Worst Case die gesamte Abrechnung abweist, wenn auch nur ein einziges E-Rezept enthalten ist. Eine erneute und getrennte Abrechnung würde zu Zeitverzug und möglichen Liquiditätsengpässen führen.

Der VDARZ hat daher die Kanzlei Friedrich Graf von Westphalen beauftragt, ein Rechtsgutachten zu erstellen. Die Rechenzentren wünschen sich rechtlich fundierte Handlungsempfehlungen, nicht zuletzt zur Frage des Haftungsübergangs zwischen Warenwirtschaft, Rechenzentrum und Krankenkasse. Denn aus Sicht der Rechenzentren werde dieses drängende Thema derzeit zwischen Gematik, Deutschen Apothekerverband (DAV) und GKV-Spitzenverband noch nicht mit letzter Intensität verfolgt.

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