Pilotprojekt abgeschlossen, Roll-out beginnt

Österreich testet 33.000 E-Rezepte in vier Monaten

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Berlin -

Auch in Österreich kommt das E-Rezept – allerdings reibungsloser als hierzulande. Ende November gab der Dachverband der Sozialversicherungsträger – in dem die Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherungen zusammenkommen – bekannt, dass die Testphase erfolgreich lief und elektronische Verordnungen bis spätestens Ende des zweiten Halbjahres 2022 jedem Patienten in Österreich zur Verfügung stehen. Anders als die Gematik kann der Dachverband aber Zahlen vorlegen, die die anderen Beteiligten zufriedenstellen: In der Pilotregion wurden demnach 33.000 echte E-Rezepte verarbeitet.

Die Funktionsweise ist in Österreich ähnlich dem deutschen E-Rezept: Die Verordnung wird nicht lokal auf einem Endgerät gespeichert, sondern nach der Erstellung durch den Arzt im Praxisverwaltungssystem samt elektronischer Signatur auf einem zentralen Server abgelegt, im sogenannten E-Card-System. Der Patient erhält wie hierzulande einen QR-Code, den er mit einer App abrufen oder als Ausdruck erhalten kann. Dazu wurde jedoch nicht wie in Deutschland eigens eine neue App entwickelt: In Österreich gibt es schon seit längerem „Meine SV“, die zentrale App der österreichischen Sozialversicherungsträger, in der Versicherte allerlei Wege von der Krankmeldung bis zum Erstattungsantrag für Hilfsmittel erledigen können.

In der Apotheke wird dann wie hierzulande lediglich der QR-Code gescannt und das Rezept kann bedient werden. Steckt der Versicherte dabei am HV seine E-Card – das österreichische Pendant der eGK – ins Kartenlesegerät, können die Apotheken alle seine bisherigen Rezepte einsehen. Das soll die schnelle Überprüfung möglicher Wechselwirkungen direkt am HV erleichtern. Auch Patienten haben sowohl über die App als auch das Webportal meinesv.at Einblick in alle bisher ausgestellten Verordnungen. Nach der Bedienung des Rezepts speichert die Apotheke die Einlösung auf dem Server und sperrt es so. Die Abrechnung läuft dann direkt mit dem Sozialversicherungsträger.

Ganz glatt lief es auch in Österreich nicht: Ursprünglich sollte das E-Rezept bereits 2020 starten, wurde aber verschoben. Als Zwischenlösung in der Corona-Pandemie arbeiteten Ärzte und Apotheken mit der sogenannten E-Medikation, einer Vorform des E-Rezepts, in der es jüngst zu einen schweren Softwarefehler kam. Allgemein war das Projekt E-Mediaktion krisenbehaftet, bereits 2016 war das erste Pilotprojekt gestartet, die bundesweite Einführung war aber immer wieder verschoben worden.

Mit einem Jahr Verspätung startete dann dieses Frühjahr die Erprobung des E-Rezepts in einer Pilotregion. „Die Corona-Pandemie zeigt, wie wichtig eine papierlose und sichere Rezeptübermittlung ist. Die österreichischen Apotheken arbeiten mit der Sozialversicherung intensiv daran, dass das E-Rezept für alle praktisch und zuverlässig wird“, erklärte der Christian Wurstbauer, Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, Anfang 2021. Im Juni ging es dann los: 33 Arztpraxen und 13 Apotheken in den Kärntner Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg beteiligten sich. Bis September verarbeiteten sie 33.000 E-Rezepte ohne größere Probleme. Laut Sozialversicherungsverband sei das Feedback aus Apotheken und Arztpraxen durchweg positiv ausgefallen, konkrete Verbesserungswünsche seien bereits eingearbeitet worden. Lediglich Privatrezepte können noch nicht elektronisch ausgestellt werden.

Ende November gaben Sozialversicherung und Leistungserbringer bekannt, dass der Roll-out nun bundesweit gestartet ist: Die Softwarehäuser sollen nun nach und nach die nötigen Updates aufspielen. Die während der Coronakrise eingeführte E-Medikation ist bis Ende des ersten Quartals 2022 befristet, danach soll eine dreimonatige Übergangsphase folgen, in der E-Medikation und Verordnungen auf Papier schrittweise durch das E-Rezept ersetzt werden.

Auch bei den Entwicklungskosten bewegt sich Österreich in anderen Sphären: Laut Sozialversicherungsverband kostete die Entwicklung der Infrastruktur rund 2,4 Millionen Euro. Hinzu kämen rund 4 Millionen Euro für die Implementierungskosten in Praxen und Apotheken sowie Subventionen für die Primärsystemhersteller.

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