Hotspot Schlachtbetrieb

Tönnies: 2119 Corona-Fälle insgesamt

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Berlin -

Nach dem großen Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies steht nun die Gesamtzahl der Infizierten fest: 2119 Personen haben sich insgesamt mit Sars-CoV-2 im Rahmen des Ausbruchs im Schlachtbetrieb angesteckt. Das Tönnies-Werk in Rheda-Wiedenbrück stand nach dem Corona-Ausbruch rund vier Wochen lang still. Nun wurden neue risikominimierende Maßnahmen erarbeitet.

Im Zusammenhang mit dem massiven Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies sind inzwischen mehr als 2000 Infektionsfälle festgestellt worden. „Nach aktuellem Stand ordnen die zuständigen Behörden dem Ausbruch bei Tönnies bislang insgesamt 2119 Fälle zu“, sagte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Bei weiteren 67 Fällen sei ein Zusammenhang möglich. Laumann wiederholte zudem seine Ansicht, dass die zeitweise Schließung des Tönnies-Betriebs in Rheda-Wiedenbrück rechtens war und das Unternehmen keinen Anspruch auf Lohnkostenerstattung hat. „Ich gehe davon aus, dass das auch vor Gericht Bestand hat“, sagte der CDU-Politiker der Zeitung.

Das Tönnies-Werk neben der Firmenzentrale in Rheda-Wiedenbrück stand nach dem massenhaften Corona-Ausbruch unter den Mitarbeitern rund vier Wochen lang still. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, gab es zeitweise für die Bewohner der Kreise Gütersloh und Warendorf wieder verschärfte Hygieneregeln und Kontaktbeschränkungen. Der Vorfall hat auch eine Debatte über ein Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie ausgelöst. Dass Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als Berater für Tönnies tätig war und sich als Minister auch mit Unternehmenschef Clemens Tönnies getroffen hat, hält Laumann nicht für problematisch. „Das ist nicht anrüchig“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein Wirtschaftsminister müsse mit solchen Unternehmen sprechen. „Die Leute erwarten doch von uns Politikern, dass wir uns um die Wirtschaft kümmern. Diese Verteufelung finde ich nicht richtig.“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter forderte Ende Juni den Unternehmer Clemens Tönnies im Nachrichtenportal Watson auf, für die Kosten des Corona-Ausbruchs selbst aufzukommen: „Wenn Herr Tönnies es ernst meint mit seiner Entschuldigung gegenüber den Menschen in seiner Region, dann erwarte ich, dass er die Kosten, die der Corona-Ausbruch bei Tönnies verursacht, aus seinem riesigen Privatvermögen bezahlt. Und sie nicht dem Unternehmen aufbürdet und dadurch seine Mitarbeiter weiter auspresst.”

Lockdown als Konsequenz

Als Konsequenz schränkten die NRW-Behörden das öffentliche Leben im Kreis Gütersloh Ende Juni mit einem Lockdown massiv ein. Erstmals in Deutschland wurde ein gesamter Kreis – dort leben rund 370.000 Menschen – wegen des Corona-Infektionsgeschehens wieder auf die strengen Pandemie-Schutzmaßnahmen zurückgeführt, die noch vor einigen Wochen gegolten hätten. Im westfälischen Kreis Gütersloh handelte es sich um das bisher "größte Infektionsgeschehen" in NRW und auch bundesweit. Behörden im Landkreis verboten demnach unter anderem wieder Sport in geschlossenen Räumen und auch zahlreiche Kulturveranstaltungen. Fitnessstudios wurden im Kreisgebiet ebenso geschlossen wie Kinos und Bars. Der Lockdown bedeutete zwar kein konsequentes Ausreiseverbot, aber es wurde, seitens der Politik, an die Bewohner appelliert den Kreis nicht zu verlassen.

Insgesamt wenig Neuinfektionen

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 569 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages gemeldet. Damit waren seit Beginn der Corona-Krise mindestens 203.368 Menschen in Deutschland nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 infiziert, wie das RKI am Donnerstagmorgen meldete. In Deutschland starben den RKI-Angaben zufolge bislang 9101 mit dem Virus infizierte Menschen – das bedeutet ein Plus von 6 im Vergleich zum Vortag. Bis Donnerstagmorgen hatten 189.000 Menschen die Infektion nach RKI-Schätzungen überstanden.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, lag nach RKI-Schätzungen mit Datenstand 22.7 in Deutschland bei 0,89. Am Vortag lag sie bei 1,04. Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel weniger als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab. Zudem gibt das RKI ein sogenanntes Sieben-Tage-R an. Es bezieht sich auf einen längeren Zeitraum und unterliegt daher weniger tagesaktuellen Schwankungen. Nach RKI-Schätzungen lag dieser Wert mit Datenstand 22.7. bei 1,01. Er zeigt das Infektionsgeschehen von vor 8 bis 16 Tagen.

 

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