Portal stellt fehlerhafte Zertifikate aus

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Berlin - Das DAV-Portal zur Erstellung digitaler Impfzertifikate bleibt eine Wundertüte: Auch in der zweiten Woche treten noch bisher unbekannte Fehler auf. Ein Apotheker der Ratsapotheke Einbeck stellte heute Morgen – durch Zufall – fest, dass das System falsche Impfzertifikate erstellte: In zwei Zeilen wurden statt der richtigen Angaben nur Platzhalter eingetragen. So wie der Fehler von allein auftrat, ist er mittlerweile auch wieder verschwunden – doch in zahlreichen Apotheken könnte er nicht aufgefallen sein.

Eigentlich hatte er nur vergessen, die PDF-Datei zu schließen, sagt der Apotheker: Als ihm auffiel, dass die Datei noch offen war, bemerkte er allerdings, dass sich auf der letzten Seite des Impfzertifikats zwei Fehler eingeschlichen hatten: Auf der Seite mit den Angaben zu Erreger, Impfstofftyp und dergleichen waren die letzten beiden falsch eingetragen. Normalerweise müssten „Mitgliedstaat der Impfung: DE“ und „Zertifikatsaussteller: Robert Koch-Institut“ dort vermerkt sein. Stattdessen stand da lediglich: „$co“ und „$is“ – das erste steht für „country“, das zweite für „issuer“.

„Das sind einfach nur die Platzhalter für diese Zeilen, da wurden die Daten offensichtlich nicht richtig übernommen“, sagt der Apotheker. Also nahm er das Telefon in die Hand und rief den betroffenen Kunden an. „Zum Glück war es ein Stammkunde, dessen Nummer ich habe. Er hat auch sehr verständnisvoll reagiert.“ Für den Apotheker hieß es aber nun: Ab jetzt ganz genau prüfen.

Und tatsächlich hielt das Problem an: „Ich habe es danach noch bei sechs oder sieben Kunden probiert, aber jedes Mal trat derselbe Fehler auf.“ Er musste sie alle vertrösten – sämtliche Zertifikate, die er in den Zeitraum ausgestellt hat, waren fehlerhaft. Ob die beiden falschen Zeilen nach der Übertragung in die App wirklich Probleme bereiten, kann man nicht eindeutig sagen: In der Regel wird nur der QR-Code angezeigt, die falschen Zeilen sind nur sichtbar, wenn man das Zertifikat öffnet und herunterwischt. „Aber wenn da jemand am Flughafen steht und die das Zertifikat wirklich kontrollieren, könnte er ein Problem bekommen.“

So wie das Problem von allein da war, verschwand es auch wieder. In der Ratsapotheke habe es von circa 8.10 Uhr – dem Zeitpunkt der ersten Ausstellung – bis circa 8.50 Uhr bestanden. Der betroffene Apotheker befürchtet allerdings, dass es auch bei anderen Kollegen aufgetreten, aber nicht aufgefallen sein könnte – die wolle er warnen, damit es nicht im Nachhinein zu Problemen mit fehlerhaften Zertifikaten kommt. Denn falls es sich um einen zentralen Fehler von Portal oder Server handelte, könnten theoretisch alle zwischen 8 und 9 Uhr ausgestellten Zertifikate betroffen sein. „Ich kann mir gut vorstellen, dass man das morgens im Eifer des Gefechts übersieht. Ich habe es ja auch nur wegen der offenen PDF-Datei bemerkt“, sagt er. „Das zeigt, wie wichtig es auch jetzt noch ist, wirklich jede Zeile einzeln zu kontrollieren.“

Seit es wieder funktioniert, kann er nun auch die vertrösteten Kunden bedienen. „Wenigstens hat niemand Stunk gemacht, sie sind alle wiedergekommen“, erzählt er. „Viele Kunden wissen schon von den Schwierigkeiten mit dem Portal, die kommen dann morgens rein und fragen, ob es heute geht oder ob es nicht geht. Das kann doch eigentlich auch nicht sein.“

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