Apotheken verschicken Zertifikate per Post

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Berlin -

Die Ausstellung digitaler Impfzertifikate über das DAV-Portal hat sich seit vergangener Woche zum alltäglichen Kampf entwickelt: Mal klappt es, dann tauchen ständig neue Fehler auf, mal geht gar nichts. Wohl dem, der gute Ausweichlösungen hat: Inhaber Dr. Jochen Vetter war vorbereitet. „Es war meines Erachtens abzusehen, dass das Portal nicht richtig laufen würde“, sagt er. Deshalb hat er sich ein Alternativverfahren überlegt – und musste bereits Nachtschichten einlegen.

„Die Zeiten, in denen man die Kunden kanalisieren konnte, sind vorbei“, sagt Vetter. „Kunden lassen sich heute nicht mehr gängeln, sondern erwarten, dass man eine Dienstleistung sofort und ohne großen Aufwand erhält. Heutzutage muss man alles zu jeder Zeit können.“ Das heißt: Man kann es sich laut Vetter heute auch nicht mehr leisten, Kunden wegzuschicken und ein zweites Mal kommen zu lassen, wenn das DAV-Portal mal wieder nicht tut, was es soll. Und dass es so kommen würde, war seiner Meinung nach abzusehen – schließlich läuft es bei allen anderen Digitalprojekten in Deutschland auch nicht anders.

Solange die digitale Infrastruktur nicht richtig funktioniert, müssen die Apotheken deshalb Improvisationstalent beweisen – und da tut sich Vetter mit seinen drei Bären-Apotheken in Herrenberg, Tübingen und Rottenburg hervor. „Über die Kurzfristigkeit der Aktion war ich auch nicht begeistert, aber die Kollegen waren bereit, sich sonntags noch kurzfristig schulen zu lassen“, erzählt er. Dabei hat er ihnen auch gleich seine eigene Ausweichlösung vorgestellt: „Sollte das Portal nicht erreichbar sein, haben wir ein Papier-Backup, das ist ein überschaubarer Aufwand, mit dem wir Kunden glücklich machen.“

Vetter hat ein Formular erstellt, auf dem Kunden ihre Daten eintragen. Die Apotheken gleichen sie dann ab und hinterlegen sie. Der Kunde erhält eine Datenschutzerklärung, die er ebenfalls unterzeichnen muss. Die Apotheke wartet dann auf eine Zeit, in der das Portal nicht überlastet ist, erstellt die Zertifikate und sendet sie dem Kunden dann per Post zu. „Das ist rechtlich nicht zu beanstanden, der Kunde unterschreibt ja dafür“, sagt Vetter. „Manche verzichten auch auf das Angebot, aber die Mehrzahl der Kunden ist glücklich, dass sie es zugeschickt bekommen, denn wegen des Zertifikats noch ein zweites Mal kommen, will kaum jemand.“

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