Deutlich mehr Corona-Fälle

Neuinfektionen verdoppelt: Mediziner erwarten mehr Patienten

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Berlin -

Der Anstieg der gemeldeten Corona-Neuinfektionen beschleunigt sich. Am Mittwochmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 8324 Neuinfektionen – über 4400 mehr als am Vortag (3912) und 67 Prozent mehr als noch vor einer Woche (4996). Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 40,8, zuletzt hatte dieser zur Einschätzung der Infektionslage wichtige Wert am 27. Mai über 40
gelegen (41,0).

In vier Bundesländern liegt die Sieben-Tage-Inzidenz mittlerweile wieder über 50: in Berlin (69,2), Hamburg (74,5), Nordrhein-Westfalen (64,6) und Schleswig-Holstein (50,5). Einen Trend sieht das RKI in dem aktuellen sprunghaften Anstieg noch nicht, eine Zunahme bei der Sieben-Tage-Inzidenz sei aber zu erwarten gewesen. Die Fallzahlen nahmen demnach bereits seit Anfang Juli 2021 wieder zu – sie stiegen wesentlich früher und schneller als im vergangenen Jahr, als vergleichbare Inzidenzen erst im Oktober erreicht wurden. Zur Zeit seien vor allem die 10- bis 34-Jährigen von Infektionen betroffen, die Verbreitung innerhalb Deutschlands variiere stark, hieß es vom RKI.

Die Ursachen für die steigenden Fallzahlen sind nach RKI-Angaben vielfältig: zu wenige Impfungen, die ansteckendere Delta-Variante, die vermehrte Reisetätigkeit im Sommer oder das Ende der Schulferien. Die Behörde empfiehlt weiterhin die Einhaltung der Hygieneregeln, Menschenmengen zu meiden und schon bei leichten Symptomen einen PCR-Test machen zu lassen und zu Hause zu bleiben.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben weitere Werte wie die Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden. Dieser Wert wird seit einiger Zeit im täglichen Situationsbericht des RKI ausgewiesen. Am Mittwoch waren 345 Hospitalisierungen mit Covid-19 aufgeführt, die 7-Tage-Inzidenz der hospitalisierten Fälle liegt demnach bei 1,19 Fällen pro 100.000 Einwohner (Vortag: 1,10, Vorwoche: 0,76). Auf den Intensivstationen waren am Dienstag 574 Covid-19-Patienten in Behandlung.

Aus Sicht des Mediziners und Wissenschaftlichen Leiters des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sind die stark steigenden Inzidenzen Anlass zu Sorge. „Wir haben Stand jetzt zwar noch wenig Covid-Patienten auf der Intensivstation und genügend freie Kapazitäten, aber die Tendenz ist auch hier steigend von minimal 350 Patienten vor zwei Wochen auf jetzt knapp 600.“ Die Inzidenzen seien linear an die Intensivbelegung gekoppelt. „Es ist auch naiv zu glauben, dass die hohen Inzidenzen der jungen Menschen nicht auf die 35- bis 60-Jährigen überspringen. Hier gibt es absolut gesehen noch zu viele Ungeimpfte in Deutschland.“

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