MyLife-Kommentar

Kuck: Apotheken sind warnendes Beispiel

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Berlin -

Mit Milliarden-Euro-Hilfen versucht die Bundesregierung, die Wirtschaft nach dem Lockdown wieder ans Laufen zu bringen. Aber reicht das aus? Denn der freie Markt und die Bequemlichkeit der Verbraucher bestimmen das Marktgeschehen, „die Bequemlichkeit des Verbrauchers geht vor“, schreibt Wolfgang Kuck in der neuen Mylife-Ausgabe, die der Zukunftspakt in teilnehmenden Apotheken den Kunden anbietet. Zeitgleich wartet der Zukunftspakt mit einer neuen Werbekampagne für seine Online-Plattform ihreapotheken.de (ia.de) auf.   

Die politische Botschaft des Kommentators ist klar: Amazon und Arzneimittelversandhandel huldigten dem Verbraucherwillen, allerdings führe der Vorrang der Bequemlichkeit auch zu unerwünschten Effekten, die einer Erholung der Wirtschaft vor Ort nach Corona im Wege stünden. „Die Apotheken können als warnendes Beispiel dienen“, so das frühere Vorstandsmitglied von Noweda.

Die unnötige Freigabe des Versandhandels für Arzneimittel habe zu einem „beispiellosen Apothekensterben geführt – auf dem Lande, in den Innenstädten, in den Vororten. Und es sei noch lange nicht zu Ende. Zwar machten die vorwiegend ausländischen Versender riesige Verluste. „Doch mit aggressivem Marketing und einem System von Zugaben haben sie sich ihre Kundschaft unter den Verbrauchern aufgebaut. Umsatz ist alles. Die Politik schaut weg. Sie hätte auch nichts unternommen, wenn sie gewusst hätte, dass die häusliche Quarantäne den ausländischen Arzneimittelversandkonzernen erneut satte Zuwachsraten bescheren würde“, kritisiert Kuck die Politik.

Das Problem sei also bekannt. Doch wie könne man dem „pandemiegeschädigten Verbraucher“ den Mehrwert, den Vorteil erklären, den ihm der Einkauf vor Ort bringe, fragt Kuck. Können man Verbraucher überzeugen von einem Gewinn an Lebensqualität, wenn in seiner Stadt geschäftiges Einkaufstreiben herrsche? Könne man ihm das Gefühl von Heimat und Geborgenheit vermitteln, wenn sich Läden und Leben vielfältig und bunt zeigten? Kuck: „Kann man ihm die Bedeutung der Sicherheit klarmachen, die eine funktionierende Vor-Ort-Apotheke ihm und seiner Familie im akuten Krankheitsfall bietet?“

Kampagnen wie „kauf in deiner Stadt“ und der moralische Zeigefinger hält Kuck für keine Mittel „gegen die Optimierung der persönlichen Bedürfnisse des Verbrauchers“. Bei den Apotheken sei dies das besonders deutlich: Die Arzneiversandkonzerne könnten nur „online“. Also Bestellungen entgegennehmen, Päckchen packen und Tage später liefern. Apotheken hingegen seien viel „moderner“, so Kuck. Sie könnten längst beides, „online“ und „offline“. Apotheken seien digital erreichbar, direkt oder über eine Plattform. Sie brächten auf Wunsch die bestellten Medikamente noch am gleichen Tag nach Hause – also schneller als der Versandhandel.

Dann stellt Kuck die Vorteile der Apotheken an der Ecke heraus: Apotheken seien vor Ort präsent, bereit zur Beratung, zur sofortigen Bedienung des Rezepts, zur Bestellung innerhalb von Stunden. Und mit Nacht- und Notdiensten rund um die Uhr geöffnet. Das findet Kuck „perfekt“. Aber dennoch boome der Versandhandel – „mit Zugaben, Gutscheinen und Dumpingpreisen“. Aber ein schlechtes Gewissen hätten die Verbraucher deswegen nicht. „Warum auch ein schlechtes Gewissen haben, wenn SPD und Grüne bisher immer vehement für die ausländischen Arzneiversandkonzerne eingetreten sind?“, ergreift Kuck parteipolitische Partei: „Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ließ bisher nicht erkennen, dass ihm ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten am Herzen liegt.“

Was also bleibe den Apotheken? „Weitermachen. Flagge zeigen. Ihre gesetzliche und persönliche Pflicht tun. Zuhören, beraten, helfen, da sein. Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln so lange verteidigen, wie es geht“, so Kuck. Immerhin habe Spahn die Apotheken ausdrücklich wegen ihres bedingungslosen Einsatzes während der Corona-Krise gelobt. Seine Hoffnungen setzt Kuck darauf, dass die Politik aus der Corona-Pandemie doch eines gelernt hat: „Dass es gefährlich ist, die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern und Dienstleistungen immer und um jeden Preis den freien Kräften des Marktes zu überlassen. Dass der Staat seine Schutzfunktion für die Bürger auch dann wahrnehmen muss, wenn die Wirtschaft boomt und von Krisen weit und breit nichts zu sehen ist.“

In der Pandemie sei deutlich geworden, dass auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung die Prävention nicht funktioniert habe. Kuck: „Wir waren nicht vorbereitet. Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmittel – gähnende Leere. Geld für Investitionen in Medizintechnik in den Kliniken – Fehlanzeige. Und tatenlos sah der Staat viele Jahre lang der Konzentration und Verlagerung der Produktion von lebenswichtigen Medikamenten nach China und Indien zu. Die Politik kann jetzt zeigen, dass sie verstanden hat. Das alles sollte uns nicht noch einmal passieren. Der nächste Virus kommt bestimmt.“

Mit seiner neuen Print-Kampagne bewirbt der Zukunftspakt Apotheke die Vorbestellplattform ia.de. Teil der Kampagne sind auch Spots, die seit einigen Tagen auf mylife.de, focus.de und bunte.de zu sehen sind. Der 30-sekündige Clip stellt die zentrale Bedeutung der Apotheke von nebenan in den Mittelpunkt.

 

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