Droht das totale Impfchaos?

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Berlin -

Die Nachfrage nach Corona-Impfungen explodiert, es gibt wieder Bilder von langen Warteschlangen. Doch während Praxen, mobile Impfteams und die verbliebenen Impfzentren irgendwie versuchen, möglichst vielen Menschen eine Erst-, Zweit- oder Auffrischungsimpfung zu ermöglichen, teilt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit, dass in der nächsten Woche nur eine begrenzte Menge an Biontech-Impfstoff zur Verfügung steht. Nachdem die Bestellungen gestern verschickt wurden, zeichnet sich ab, dass es bei den Impfungen jetzt Stau statt Turbo geben könnte.

Seit langem gelten wieder Höchstmengenbegrenzungen für die Bestellung von Covid-19-Impfstoff – ausgerechnet jetzt, wo es wieder einen Ansturm auf die Praxen gibt. Für die kommende Woche standen ursprünglich nur noch 3 Millionen Dosen des Impfstoffs von Biontech zur Verfügung, nach massivem Protest konnte das BMG noch eine Million zusätzliche Dosen besorgen.

Ärzt:innen konnten daher 48 statt 30 Dosen bestellen, das entspricht acht Vials. Für Impfzentren und mobile Teams lag die Höchstbestellmenge ursprünglich bei 1020 Dosen.

Geht man davon aus, dass sich wie in Spitzenzeiten wieder rund 50.000 Praxen an den Impfungen beteiligen, wären bei Ausschöpfung der Höchstmenge bereits 2,4 Millionen Dosen weg. Entsprechend stünden noch rund 1,6 Millionen Dosen für die Impfzentren und Impfteams zur Verfügung. Zwar haben die Praxen zuletzt mehr als doppelt so viele Impfungen durchgeführt wie die zentralen Anlaufstellen – alleine in der vergangenen Woche waren es 1,8 Millionen gegenüber 760.000 Impfungen. Doch in vielen Bundesländern werden die Kapazitäten gerade massiv hochgefahren und weitere niedrigschwellige Angebote aufgebaut.

Das BMG hatte schon im Vorfeld erklärt, dass abhängig von der Anzahl der bestellenden Ärzte die Praxen damit rechnen müssen, dass sie auch weniger als 48 Dosen bekommen können. Bislang gibt es dazu noch keine Rückmeldung – sollte es aber dazu kommen, müssten vermutlich weitere Impftermine abgesagt werden. Denn viele Praxen haben offenbar vor allem Biontech bestellt und waren bei Moderna sehr zurückhaltend. Ersatzlieferungen sind aber nicht vorgesehen: Wer kein Moderna bestellt hat, kann dann nur die gelieferten Mengen an Biontech verimpfen.

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