Impftempo beschleunigen

Breite Allianz für Corona-Impfungen in Apotheken

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Berlin -

Bei der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) war die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Corona-Impfungen in Apotheken, doch angeblich erteilten die Länder dem Vorschlag eine Absage. Tatsächlich melden sich immer mehr Unterstützer zu Wort.

Aufgeschlossen sind vor allem Politiker:innen aus jenen Ländern, in denen bereits Modellprojekte zu Grippeimpfungen in Apotheken laufen: So zeigte sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Dienstag offen dafür, dass auch Apotheker:innen sowie Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen die Möglichkeit bekommen sollten, sich an der Impfkampagne zu beteiligen. Dazu gehörten auch Zahnärzte, sagte er.

Anders als im Frühjahr gebe es jetzt genügend Impfstoff. Jede Woche müssten aber rund 600.000 Auffrischungsimpfungen verabreicht werden. Bei bisher fast 1,4 Millionen Booster-Impfungen stünden bis Ende März rechnerisch noch weitere knapp elf Millionen Auffrischimpfungen an.

Bei Anne Will hatte sich am Sonntag der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) für Corona-Impfungen in der Offizin stark. Zuvor hatte sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) dafür ausgesprochen, dass künftig auch Apotheker gegen Corona impfen. „Aus meiner Sicht könnte eine zeitlich befristete und auf die Covid-Schutzimpfungen beschränkte Ausnahmegenehmigung für Apotheken mit entsprechend ausgebildetem Personal ein pragmatischer und sinnvoller Weg sein, um
die Impfkapazitäten noch einmal aufzustocken“, sagte sie am Samstag der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte am Freitag in Berlin, SPD, Grüne und FDP hätten mit den neuen Corona-Maßnahmen jetzt „eine Alarmstufe nach oben gesetzt“. Um die aktuelle Corona-Welle zu brechen, müsse aber auch die Impfkampagne wieder Fahrt aufnehmen, mit mobilen Impfteams und auch in Apotheken, forderte Göring-Eckardt. Zuvor hatte der Landesvorsitzende Steffen Regis dies gefordert: „Wir müssen im Wettlauf gegen das Coronavirus schneller beim Impfen werden und dafür brauchen wir die Apotheken als zusätzliche Impfstellen.“

In Rheinland-Pfalz forderte die CDU-Landtagsfraktion von der Landesregierung nicht nur die Öffnung aller Impfzentren im Land. Darüber hinaus solle die Regierung auf eine Einbindung der Apotheken in die Impfkampagne hinwirken, sagte Fraktionschef Christian Baldauf am Donnerstag. Fachübergreifend sollten alle Humanmediziner – beispielsweise auch Augen- und Zahnärzte – bei den Impfungen mithelfen, wenn sie das wollten. Das gelte auch für Medizinstudenten in höheren Semestern und Ärzte im Ruhestand. „Es muss jetzt jede Hand genutzt werden, die fachlich in der Lage und dazu bereit ist, eine Impfung vorzunehmen“, betonte Baldauf.

Ganz anders der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister: Man könne schnell eine Meinung dazu haben, so Jens Spahn am Montag in der Bundespressekonferenz. Die Umsetzung sei aber problematisch: Es gebe haftungsrechtliche und berufsrechtliche Fragen, aber auch Schulungen müssten organisiert werden. „Man muss das ja auch können.“ Zwar werde aus praktischen Gründen auch in der Praxis oder im Impfzentrum nicht jede Impfung durch einen Arzt oder eine Ärztin verabreicht. „Aber es ist eben immer ein Arzt in der Nähe und im Falle von Zwischenfällen verfügbar.“ Anaphylaktische Reaktionen seien zwar selten, aber es gebe sie.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) sei von der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) aufgefordert worden, die Ausweitung auf andere Heilberufe zu prüfen. „Aber selbst wenn man das ändern würde, müsste man ganz andere rechtliche Rahmenbedingungen schaffen“, so Spahn. „Das ist nichts, was kurzfristig geht.“ Außerdem sei die Frage, ob dieser Schritt wirklich notwendig sei.

Spahn erinnerte daran, dass er es gewesen sei, der gegen Widerstände Modellprojekte zu Grippeimpfungen in Apotheken möglich gemacht habe. „Die sehr zurückhaltende Teilnehmerzahl seitens der Apotheken ist für mich ein Hinweis, ob und in welchem Umfang wir hier einen Unterschied machen könnten.“ Er werde aber wie gewünscht die von der MPK angesprochene Ausweitung der Berufsgruppen prüfen.

Bund und Länder hatten zunächst die Apotheken in ihrer Beschlussvorlage in einer Aufzählung genannt, dann aber gestrichen. Am Vorabend der Beratungen hatte Professor Dr. Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Corona-Impfungen in Apotheken gefordert. „Wir sind in einer Notlage, und in einer Notlage muss man bestimmte Dinge großzügig gestalten“, sagte Wieler bei einer Online-Diskussionsveranstaltung mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). „Je schneller geimpft wird, desto besser.“ Es brauche jedes niedrigschwellige Angebot. „Sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff.“ Es müsse jetzt Schluss sein, dass irgendwer irgendwelchen anderen Berufsgruppen verbietet zu impfen. „Wir brauchen jetzt jeden, der impft. Jeder, Mann und Maus, muss jetzt impfen.“

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