Die Kassen und ihre Krämerseele

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Berlin - Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Corona-Krise die größte Herausforderung seit dem 2. Weltkrieg. Für andere hat der weltweite Kampf gegen das Virus ebenfalls historische Dimensionen. Die Bundesregierung reagiert darauf mit nie dagewesenen Maßnahmen. Eil-Gesetze und Eil-Verordnungen werden verabschiedet und erlassen. Die Regeln der Demokratie bis an ihre Grenzen strapaziert. Die Wirtschaft mit Geld geflutet. Und was machen die Krankenkassen? Sie ringen unter Berufung auf das Wirtschaftlichkeitsgebot beim Botendienst um „Peanuts“ und pflegen ihr Feindbild Apotheke, kommentiert Lothar Klein.

Es ist kein Akt gönnerhafter Großzügigkeit, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in seiner Notverordnung den Botendienst der Apotheken mit fünf Euro honorieren will. Der Ausnahmezustand in den Apotheken in den letzten Wochen, die Strapazen für das Personal und der Ansturm der Patienten sind nur ein Zeichen dafür, dass die Apotheken von den Bürgern als erste Anlaufstelle für Hilfe und Informationen in diesen Corona-Zeiten sind.

Wer einmal versucht hat, über die verschiedenen Hotlines eine Information über die Möglichkeit eines Corona-Tests zu erlangen, weiß, wie dankbar viele Bürger sein müssen, überall im Land mit ihren Fragen in jede Apotheken gehen zu können. Apotheken stellen in diesen Zeiten ihre Funktion als niederschwellige Anlaufstelle, als barrierefreies Eingangstor eindrucksvoll unter Beweis.

Und die Bedeutung der Apotheken in der Corona-Krise wird aller Voraussicht nach noch zunehmen. Alle Verantwortlichen gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Corona-Krise noch nicht erreicht ist, dass die Fallzahlen weiter steigen werden. Und nicht nur das: Gerade wenn die Bundesregierung nach Ostern daran gehen wird, die Kontaktsperren und den Shutdown der Wirtschaft zu lockern, sind die Apotheken in besonderer Weise gefragt. Denn Risikogruppen werden bis auf Weiteres von dem dann möglicherweise wieder anlaufenden öffentlichen und wirtschaftlichen Leben isoliert bleiben müssen. Das betrifft nicht nur Alten- und Pflegeheime. Viele Patienten mit Vorerkrankungen werden über Wochen und vielleicht sogar Monate zu Hause bleiben müssen. Jeder Schritt in die dann wieder belebtere Öffentlichkeit wäre ein zu großes Risiko.

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