Das Curevac-Desaster

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Berlin - Hinterher ist man bekanntlich immer schlauer, aber bei Curevac konnte man zuletzt daran fühlen, wie man so schön sagt: Der einst so stolze mRNA-Pionier war seit Wochen auf Tauchfahrt, vertröstete die Öffentlichkeit immer wieder und streute Nebelkerzen – um am Ende doch einräumen zu müssen, dass es nichts wird mit dem gehypten Luxus-Impfstoff gegen Corona. Nicht nur der Misserfolg in der klinischen Studie ist das Problem, sondern auch der Umgang damit.

Anfang des Jahres saß Curevac-CEO Franz-Werner Haas gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und Bayer-Vorstand Stefan Oelrich vor der Kamera: Nachdem Biontech bereits seit mehr als einem Monat verimpft wurde, sollte auch bei Curevac die Geschwindigkeit endlich deutlich erhöht werden. Immerhin hatte sich der Bund einige Monate zuvor mit einem dreistelligen Millionenbetrag am Tübinger Unternehmen beteiligt und so eine angeblich geplante Übernahme durch US-Präsident Donald Trump abgewendet.

Ziel der neuen Allianz rund um Curevac war es, ein Netzwerk aufzubauen und damit Produktionskapazitäten zu schaffen, damit nach Abschluss der klinischen Studie schnell große Mengen ausgeliefert werden könnten. Weitere namhafte Partner wie Novartis, Fareva, Wacker und Rentschler kamen an Bord. GlaxoSmithKline (GSK) und die Bill & Melinda Gates Stiftung waren schon vorher an Bord. Sogar Tesla-Chef Elon Musk schaute vorbei und präsentierte einen gemeinsamen mobilen Drucker für den Corona-Impfstoff von Curevac. Nur die Entwicklung ließ auf sich warten – die letzte Studie startete erst, als die Konkurrenz schon vor der Zulassung stand. Großaktionär Dietmar Hopp gab die Devise aus, zwar nicht den ersten, aber den „bestmöglichen Impfstoff“ zu entwickeln.

Von so viel Glamour konnte Biontech nur träumen, aber das kannten die Großaktionäre Thomas und Andreas Strüngmann ja schon aus Generikazeiten. Forderungen des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach, Curevac eine Notzulassung zu erteilen, wurden zwar abgewiesen. Aber immerhin startete die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) das Rolling-Review-Verfahren. Alle Ampeln, so schien es, standen für den Star mit Verspätung auf Grün.

Im März musste Curevac erstmals offiziell die Verspätung bei der klinischen Studie einräumen: Nicht im ersten, sondern im zweiten Quartal sei mit Zulassung und Impfstoff zu rechnen, hieß es plötzlich mit Verweis auf die neuen Corona-Varianten, die Einfluss auf die Analysen der klinischen Studie hätten. Bis zuletzt hielt das Unternehmen an einem Abschluss der Arbeiten bis spätestens Ende Juni fest. Studienleiter Professor Dr. Peter Kremsner von der Uni Tübingen stellte Ende April sogar noch in Aussicht: „Vielleicht schaffen wir es im Mai.“

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