Biontech und AstraZeneca: Darum zögerte die EU

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Berlin -

Wegen des schleppenden Impfstarts steht die EU-Kommission seit Wochen unter Druck. Doch jetzt sind Details bekannt geworden, die eine gewisse Erklärung für das Zögern in Brüssel liefern.

Biontech/Pfizer

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet über ein streng vertrauliches Angebot im Namen von Pfizer und Biontech. 54,08 Euro pro Dosis hätten die beiden Hersteller zunächst gefordert, bezogen auf die Abnahme von 500 Millionen Dosen. Insgesamt hätte die EU also 27 Milliarden Euro bezahlen müssen und damit gut die Hälfte der Bevölkerung impfen können. Pfizer/Biontech versicherten, dass es sich um „den höchsten prozentualen Rabatt“ handele, dem man einem Industrieland weltweit angeboten habe.

Zuvor hätten die Konzerne vorgerechnet, wie hoch die wirtschaftlichen Schäden durch die Pandemie sind und dass man den Nutzen der Impfung bei der Preisfindung berücksichtigen müsse. So gesehen sei der Preis sogar „unangemessen“ während einer globalen Pandemie.

Laut SZ einigte man sich im Sommer auf den Preis, der laut Bericht bei 15,50 Euro liegen soll. Auf einem ähnlichen Niveau liegen demnach die USA, die bereits im Juli einen Vertrag über 100 Millionen Dosen für 1,95 Milliarden Dollar geschlossen hatten. Im November kam es zum Vertragsabschluss mit der EU.

AstraZeneca

Der Vertrag mit AstraZeneca hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil der Konzern die Lieferungen an die EU kürzte, während Großbritannien weiter versorgt wurde. Hier ging es um eine Klausel, nach der sich der Konzern nur verpflichtet hatte, seinen Verpflichtungen nach besten Anstrenungen („best effort“) nachzukommen.

Wie CNN berichtet, gibt es im Vertrag mit Großbritannien allerdings eine ähnliche Formulierung. Laut den Recherchen steht eine in Teilen geschwärzte Version bereits seit Ende November im Netz, den Link habe der Sender unter Berufung auf die Informationsfreiheit zur Verfügung gestellt bekommen.

Die ungleiche Behandlung hatte zu erheblichen Spannungen zwischen Großbritannien und der EU geführt. Konzernchef Pascal Soriot hatte die schnelleren Lieferungen mit dem deutlich früheren Vertragsabschluss erklärt. Tatsächlich war die EU allerdings sogar einen Tag schneller, wie CNN berichtet.

 

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