Biontech-Impfstoff: Ominöse Anrufe in Apotheken

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Berlin -

Seit einigen Tagen erhalten Apotheken in ganz Deutschland Anrufe von Personen, die sich als Mitarbeiter der Firma Biontech ausgeben. Man wolle über den Impfstoff sprechen und Infomaterial anbieten – benötige aber zunächst eine Einverständniserklärung zur Zusendung weiterführender Dokumente per Mail. Oftmals verlaufen die Anrufe auch im Sande, der Gesprächspartner legt einfach wieder auf, berichten die Apotheker. Mittlerweile haben sich die Anrufe als seriös erwiesen – Biontech möchte Kontakt mit den Apotheken aufnehmen.

Eigentlich haben die öffentlichen Apotheken recht wenig mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech zu tun. Unter anderem aufgrund der notwendigen Lagertemperaturen gehen Verteilung und Aufbereitung der Vakzine an der Offizin vorbei. Nicht zuletzt deshalb wunderten sich in der vergangenen Woche zahlreiche Apotheken, als sie Anrufe des Biotechnologie-Unternehmens erhielten.

Der Anrufer gibt bei dem Telefonat an, Informationen über den Impfstoff zu Verfügung stellen zu wollen. Hierfür sei eine vorherige mündliche Einwilligung nötig, danach könne die Mailadresse der Apotheke in eine Art Newsletter-Verteiler aufgenommen werden. Der Anrufer sei oftmals schlecht zu verstehen gewesen und habe darüber hinaus schnell gesprochen, sagt eine Apothekerin. Für die meisten Inhaber war somit schnell klar: Das ist eine Masche und kein seriöser Anruf.

Weshalb sollte Biontech Apotheken einzeln anrufen, fragen sich die kontaktierten Pharmazeuten. Die meisten sind nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie sensibilisiert auf Betrugsmaschen. „Am Telefon sage ich schon lange nichts mehr zu“, erzählt ein betroffener Apotheker. Auch die Art der Kontaktaufnahme scheint für ihn fragwürdig: „Weshalb schickt man uns nicht einfach eine Broschüre, wenn man tatsächlich Informationen verteilen möchte? Oder nutzt den Weg über die Verbände?“

Andere Apotheker notierten sich die Telefonnummer und forschten nach. Laut Aussagen des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg handelt es sich tatsächlich um eine Nummer des Biotechnologie-Unternehmens. Doch wie aussagekräftig ist diese Erkenntnis? Auf Nachfrage konnte ein Sprecher von Biontech zunächst keine Angaben dazu machen, ob sein Unternehmen solche Anrufe tätigt. Die Anfrage wurde intern an die entsprechende Abteilung weitergeleitet.

Zuletzt hatte die Arzneimittelkommission (AMK) darum gebeten, dass Apotheker und PTA die bereits geimpften Kunden gezielt nach Impfreaktionen fragen. Apotheker und PTA könnten innerhalb des Beratungsgespräches anfallende Fragen rund um die Themen Corona und Immunisierung klären und zu mehr Transparenz beitragen. Einige der kontaktierten Apotheker halten es für möglich, dass Biontech hierzu eventuell Beratungshilfen und Handlungsanweisungen zu Verfügung stellen möchte. Dennoch: Die meisten Apotheken, die bisher angerufen wurden, halten den telefonischen Weg der Informationsübermittlung für fraglich. Insbesondere deshalb, weil eine mündliche Zustimmung erforderlich sei.

 

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