Bayern streitet über Quarantäne

, Uhr aktualisiert am 25.02.2020 14:16 Uhr

Berlin - In Bayern gab es 14 der 16 Coronavirus-Fälle in Deutschland. Jetzt streitet die Landespolitik darüber, ob der Freistaat gut genug für eine mögliche zweite Coronavirus-Welle gewappnet ist, die aus Italien kommen könnte. Während die Gesundheitsbehörden tagen, sich mit Experten auf Bundesebene austauschen und Empfehlungen herausgeben, kritisiert die Opposition mangelnde Informationspolitik. In der Debatte geht es auch um die Abschottung ganzer Städte wegen des Virus wie in Italien. Derweil wurde der erste Corona-Fall in Kroatien bekannt.

In Kroatien ist erstmals eine Ansteckung mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen worden. Der Patient, ein junger Mann, halte sich mit leichten Symptomen in einem Krankenhaus in Zagreb auf, teilte Ministerpräsident Andrej Plenkovic mit. Der junge Mann war vom 19. bis 21. Februar in Italien gewesen, sagte Gesundheitsminister Vili Beros. Es werde nun festgestellt, mit wem er Kontakt hatte. Über den betroffenen Personenkreis werde Quarantäne verhängt.

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte der dpa: „Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden.“ Der Schutz der Bevölkerung habe oberste Priorität. „Deshalb können auch einschneidende Maßnahmen vorgenommen werden, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen“, sagte Huml. Wichtig sei, im konkreten Einzelfall zu entscheiden und mit Augenmaß vorzugehen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, forderte am Dienstag mehr Informationen der Regierung über Gefahren, Gegenmaßnahmen und Verhaltensweisen bezüglich des Virus. „Der Ausbruch des Virus in Italien schafft eine neue Situation und hat auch für Bayern Auswirkungen“, sagte sie. „Nicht zuletzt in der Faschingswoche fahren viele Bayern nach Norditalien und könnten sich dort anstecken.“ Um Panik zu vermeiden, müsse die Staatsregierung die Bevölkerung umfassend aufklären, forderte Waldmann. „Die Leute müssen wissen, was auf sie zukommen kann und wie sie sich angesichts der potenziellen Bedrohung oder im Ansteckungsfall verhalten sollen.“

Dominik Spitzer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im Landtag, warf Huml Verantwortungslosigkeit vor: „Wer in der jetzigen Situation schon von der Abriegelung ganzer Städte als letzte Lösung spricht, der schürt unnötig Panik in der Bevölkerung.“ Die Ministerin täte aus seiner Sicht stattdessen gut daran, der Bevölkerung die Angst zu nehmen und deutlich zu kommunizieren, wie man sich im Falle des Verdachts auf eine Infektion zu verhalten hat. „Hier herrscht nämlich viel gefährliches Halbwissen bei den Betroffenen.

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