Notdienstberichte in der Presse

„Wir wollen kein Jammerlappen-Image!“

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Berlin -

Häufig werden Apotheken im Notdienst wegen Lappalien aufgesucht. In einem Bericht thematisiert die Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) die Missstände. Vieles stimme zwar, sagt Dorothee Pradel, Chefin der Elefanten-Apotheke und Sprecherin der Gladbecker Apotheker. Sie und ihre Kollegen störe aber, dass sie im Artikel überwiegend klagend dargestellt würden. Man möchte zwar von den Kunden wertgeschätzt werden. Wer mit einem richtigen Notfall komme, sei aber jederzeit herzlich willkommen, betonen die Pharmazeuten.

Ja, die Geschichten von Kunden, die mitten in der Nacht Schwangerschaftstests kaufen oder Rezepte einlösen wollen, die bereits vor Tagen oder manchmal sogar Wochen vom Arzt ausgestellt wurden, habe schon jeder Kollege erlebt, räumt Pradel ein. „Das ist tägliches Geschäft bei uns“, sagt sie. Dennoch würden sie und ihre Gladbecker Kollegen sich über den Tenor der Berichterstattung ärgern, den Pradel als „Genöle“ bezeichnet.

„Nach solchen Berichten verfestigt sich in der Bevölkerung die Meinung, dass Apotheker nur noch klagen und jammern, wenn nicht über den Versandhandel, dann eben über die Notdienste“, so Pradel. Natürlich spreche man mit den Redakteuren über die vorhandenen Probleme, aber auch über die Bereitschaft vieler Apotheker, diese Leistungen zu erbringen. Es sei jedem Apotheker bei der Berufswahl bewusst, dass Notdienste einfach dazu gehören. „Und ich mache sie auch gern“, betont die Pharmazeutin. Allerdings würden nach vielen Gesprächen vorzugsweise die Aussagen herausgepickt, die in das Konzept des Artikels passen, und andere einfach ausgespart.

Vor wenigen Tagen berichtete die WAZ unter der Überschrift „Apotheker beklagen das Ausnutzen nächtlicher Notdienste“ über die Sorgen der Gladbecker Apotheker. Darin ärgert sich unter anderem auch Pradel über die Kunden, die wegen Lappalien nachts kommen und die Apotheker aus dem Bett klingeln. Schließlich würden die Kollegen im Notdienst meist eine normale Schicht vor oder hinter sich haben.

Apotheker Christoph Witzke, Inhaber der Pfau- und der Delphin-Apotheke, beschwert sich über Kunden, die die Notdienstgebühr nicht zahlen wollen. Er berichtet von seinem persönlichen Highlight aus 20 Jahren Notdienst: „Nachts um ein Uhr hat jemand einmal Brennspiritus verlangt“, wird der Apotheker zitiert. Der Grund: Das Fondue wäre sonst ausgegangen. Auch Arne Kuhn, Inhaber von Dr. Kuhn’s Apotheke in der City, stimmt in das Klagelied von Schwangerschaftstests oder Nasenspray im Notdienst mit ein.

Wohl jeder Apotheker hat ein Anekdötchen aus den zahlreichen Notdiensten, die sie über viele Jahre leisten, auf Lager. Sie erleben tagtäglich, dass Menschen während der Notdienst-Zeiten häufig Medikamente kaufen wollen, die eigentlich in die Hausapotheke gehören oder bis zum nächsten Morgen warten können.

„Viele wissen gar nicht, dass der Apotheker im Bett liegt und schläft“, sagt Pradel. Deshalb gehe es den Apothekern nicht darum zu klagen, sondern aufzuklären und zu sensibilisieren. Und um Wertschätzung. „Es ist in den vergangenen Jahren immer selbstverständlicher geworden, dass wir vor Ort sind“, sagt Pradel. Das Ende des WAZ-Artikels dürfte aber auch die Gladbecker Apotheker etwas versöhnlicher stimmen. So sehr sich die Apotheker über die nächtlichen Kunden ärgern, die wegen Belanglosigkeiten den Notdienst aufsuchen, schreibt der Autor, seien sie sich einig: „Wer mit einem richtigen Notfall zu uns kommt, ist jederzeit herzlich willkommen.“

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