Erstmals seit Krise bei Investments

Trotz Abschreibungen: Versorgungswerk hebt Renten an

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Berlin -

Das Versorgungswerk der Apothekerkammer Schleswig-Holstein baut seine kritischen Investments sukzessive ab. Auch im vergangenen Jahr mussten daher wieder hohe Abschreibungen vorgenommen werden – in Summe sind es jetzt mehr als 100 Millionen Euro. Die gute Nachricht: Erstmals seit Beginn der Krise vor drei Jahren sollen die Leistungen aber wieder angehoben werden.

Auch im vergangenen Jahr musste das Versorgungswerk wieder mit Risiken aus Mezzanine-Finanzierungen umgehen. Insgesamt mussten 18,7 Millionen Euro abgeschrieben werden, nach 32 Millionen Euro im Vorjahr und 55 Millionen Euro im Jahr 2023. In Summe sind es damit knapp 106 Millionen Euro und damit ein Großteil des gesamten Anlagevermögens von rund 800 Millionen Euro.

Zuletzt wuchs das Anlagevermögen von 807 auf 818 Millionen Euro. Das Finanzierungsportfolio (Mezzanine) wurde dabei weiter von 15 auf 7 Prozent abgebaut; hier konnten verschiedene Forderungen und eine Beteiligung im Immobiliensektor verkauft werden, zum Teil sogar oberhalb des Buchwerts. Die Fälligkeiten der Kaufpreise erfolgen gestaffelt in den nächsten Jahren. In den kommenden zwei Jahren soll dieser Bereich vollständig abgebaut sein.

Bis dahin besteht für die noch bestehenden Finanzierungen nach wie vor das Risiko, dass es auch nach den bereits erfolgten Korrekturen zu weiteren Abschreibungen bei einem Ausfall von Projekten kommen kann. Hinzu kommt, dass im Crash-Szenario sowohl das Darlehen als auch die endfälligen Zinsen verloren gehen, auch weil keine Sicherheiten an den Immobilien selbst bestehen. Weitere Wertberichtigungen sind laut Versorgungswerk also nicht auszuschließen.

25 Millionen Euro wurden neu in festverzinsliche Wertpapiere investiert; dieser Bereich macht mittlerweile 41 Prozent des Anlagevermögens aus. 26 Prozent entfallen auf Immobilien, die in einem Masterfonds gebündelt und ebenfalls reduziert werden sollen. 15 Prozent gehören zum Segment Private Equity/Private Debt, hier werden die Investments ebenfalls in einem Masterfonds gebündelt. Je 5 Prozent sind Aktien und Festgeld.

Die Erträge aus Kapitalanlagen lagen bei 32,5 Millionen Euro (Vorjahr: 36,2 Millionen Euro), hinzu kommen Zuschreibungen in Höhe von 3,7 Millionen Euro und Gewinne aus Abgängen in Höhe von 2,2 Millionen Euro. Damit lag der Kapitalertrag bei 4,75 Prozent, nach Kosten und Abschreibungen bei 2,21 Prozent.

Gewinn in Rücklage

Die Beitragseinnahmen wuchsen von 29,8 auf 30,8 Millionen Euro, die Ausgaben für Versorgungsleistungen legten von 25,7 auf 27,1 Millionen Euro zu. Die Aufwendungen für den Versicherungsbetrieb stiegen von knapp 900.000 auf 1,3 Millionen Euro; der Verwaltungskostensatz stieg damit von 2,91 auf 4,13 Prozent. Hinzu kommen Aufwendungen für die Verwaltung von Kapitalanlagen in Höhe von 2 Millionen Euro (Vorjahr: 1,3 Millionen Euro).

Unter dem Strich bleibt damit ein Gewinn in Höhe von 13,9 Millionen Euro, nach 15,7 Millionen Euro im Vorjahr und einem Verlust von 5,2 Millionen Euro im Jahr 2023. Der Überschuss wurde der Gewinnrücklage zugeführt.

Die Zinsreserve konnte mittlerweile wieder auf 30 Millionen Euro aufgefüllt werden.

Die Zahl der Mitglieder stieg von 3339 auf 3389, die Zahl der Versorgungsempfänger von 1119 auf 1178.

Anhebung der Renten

Trotz der Herausforderungen sollen ab dem 1. Januar Leistungsverbesserungen vorgenommen werden. Die Rentenbemessungsgrundlage (Rechnungszins 2 Prozent) soll um 1,5 Prozent von 37.548 auf 38.112 Euro erhöht werden. Die laufenden Renten sollen ebenfalls um 1,5 Prozent erhöht werden. Der Mehraufwand beträgt laut Versorgungswerk 13,2 Millionen Euro.

Damit setze man erstmals seit 2023 wieder ein Signal für die Teilhabe der Mitglieder an der wirtschaftlichen Entwicklung. „Die Gremien sind zuversichtlich, dass mit dieser Dynamisierung der Einstieg in eine Phase regelmäßig wiederkehrender Anpassungen von Renten und Anwartschaften erfolgen wird – stets unter dem Vorbehalt einer weiterhin verantwortungsvollen Abwägung von Leistungsversprechen, Kapitalmarktrisiken und langfristiger Finanzierbarkeit.“

Anwartschaften sollen dabei tendenziell stärker als laufende Renten erhöht werden. Damit werde berücksichtigt, dass Anwärterinnen und Anwärter durch die Absenkung des Rechnungszinses in besonderem Maße betroffen sind, dass die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze die Beitragsproduktivität maßgeblich beeinflusst und sich dies insbesondere in der Aufbauphase der Versorgungsansprüche in der Entwicklung der Anwartschaften widerspiegeln sollte.

Weniger Selbstständige

Allerdings weist das Versorgungswerk auch darauf hin, dass die Zahl der Apothekenschließungen das Beitragsaufkommen belastet. Angesichts des Rückgangs an Selbstständigen fehlten zunehmend Mitglieder, die die allgemeine Versorgungsabgabe in das Versorgungswerk abführten. „Ob und inwieweit eine gewisse Kompensation dadurch langfristig erfolgen kann, dass angestellte Apothekerinnen und Apotheker höher vergütet werden, ist nicht abzuschätzen.“

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