Papierrezepte machen einen immer kleineren Anteil am Rx-Umsatz in Apotheken aus. Dennoch werden sie weiterhin regelmäßig vor Ort abgeholt. So auch in der Pazzawa-Apotheke in Passau. Als sie jedoch später in der Abrechnung nicht auftauchten, war Inhaber Reinhold Wetterich geschockt. Ihm fehlte so viel Geld, dass er den Großhändler nicht mehr bezahlen konnte. Wegen eines Fahrzeugschadens kamen die Verordnungen nicht bei Noventi an. Beim Rechenzentrum fand man eine Lösung.
Seit etwa 40 Jahren ist Wetterich aus Passau selbstständig. Mit Papierrezepten und der Abholung im Auftrag der Rechenzentren kennt er sich bestens aus. Als vor etwa zwei Wochen wieder einmal ein Sanacorp-Fahrer im Auftrag der VSA den Stapel mitnahm, ließ er sich die Abholung ordnungsgemäß quittieren. Auch wenn der Löwenanteil an den Rezeptgeldern von elektronischen Verordnungen stammen, fallen Papierrezepte bei ihm weiter ins Gewicht.
Der Stapel habe rund 400 Gramm gewogen, sagt er. „Es waren einige Hochpreiser dabei“, sagt er. Insgesamt handelte es sich um eine Summe im hohen fünfstelligen Bereich. Nach einer Woche etwa seien die Papierrezepte eingescannt und ausgewertet, so der Apotheker. Als er die Abrechnung prüfte, sei „der große Schock“ gekommen. „Die Papierrezepte haben komplett gefehlt.“
Die Rezepte waren irgendwo zwischen Passau und München verloren gegangen. Für den Apotheker bedeutete die Nachricht „Nervenstress ohne Ende“, wie er sagt. Er meldete sich umgehend bei der VSA und bei der Sanacorp. Auf eine erste Nachfrage beim Abrechner habe es geheißen, man werde sich darum kümmern, woraufhin ein Ticket erstellt wurde. „Danach gab es über 36 Stunden lang keinerlei Rückmeldung.“
Wetterich bereitete E-Mails vor und schickte zwischenzeitlich den Nachweis mit seiner Unterschrift über die korrekt erfolgte Abholung an Noventi. Zudem rief er bei der Sanacorp an, die für das Rechenzentrum als Boten fungieren. „Es war alles sehr chaotisch und mysteriös. Mir scheint, als wüssten dort mehrere Leute nicht, was die linke und rechte Hand tut.“ Als Rückmeldung habe es geheißen, der Fahrer habe einen Unfall gehabt.
Noventi bestätigt auf Anfrage, dass Papierrezepte mehrerer Betriebe nicht eingegangen sind. „Insgesamt war eine kleine Anzahl an Apotheken betroffen. Die Papierrezepte waren ordnungsgemäß zur Abholung vorgesehen und zur Verarbeitung bei uns angemeldet“, sagt eine Unternehmenssprecherin. Doch die Rezeptsendungen seien nicht wie vorgesehen angekommen. Dies sei durch „interne Kontroll- und Abrechnungsprozesse“ festgestellt worden. „Parallel dazu hatten sich bereits einzelne Kundinnen und Kunden bei uns gemeldet.“
Einem Sanacorp-Sprecher zufolge war es wegen eines Schadens an einem der Fahrzeuge zu Verzögerungen bei der Weitergabe an die VSA gekommen. „Betroffen waren die Apotheken einer Tour aus der Niederlassung Planegg.“ Der Vorfall sei geprüft und die betroffenen Apotheken seien informiert worden. Wo genau die Rezepte gelandet sind, ließen die Unternehmen offen. „Alle Rezeptbelege liegen vollständig vor und wurden im aktuellen Abrechnungsmonat verarbeitet“, sagt der Sanacorp-Sprecher.
Noventi bot den betroffenen Apothekerinnen und Apothekern kostenlose Abschlagszahlungen an. Dadurch sollten keine finanziellen Nachteile durch die verzögerte Abrechnung entstehen, so die Sprecherin. „Die fehlenden Rezeptbelege sind inzwischen vollständig bei uns eingegangen und wurden im aktuellen Abrechnungsmonat verarbeitet.“
Der Apotheker ist mit der Abschlagszahlung zufrieden. Dadurch sei die Großhandelsrechnungen ordnungsgemäß beglichen worden. „Ich habe auch Verständnis, wenn ein Auto kaputt geht.“ Allerdings hätte dies vor der Abrechnung auffallen müssen, kritisiert er. „Dieser Vorfall und die widersprüchliche Kommunikation deuten auf unklare Prozesse zwischen dem Rechenzentrum und dem Großhandel hin. Daraus müssen Konsequenzen gezogen werden. Letztlich ging es noch gut aus.“