Pikrinsäure-Einsatz in Hamburger Apotheke

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Berlin - Immer wieder kommt es zu Feuerwehreinsätzen in Apotheken aufgrund von Pikrinsäure. Die Substanz wird eigentlich seit Jahren nicht mehr für nasschemische Nachweise benötigt – und dennoch findet sie sich immer wieder in versteckten Ecken von Laboren. So auch aktuell in einer Hamburger Apotheke.

Pikrinsäure oder 2,4,6-Trinitrophenol wurde in der Apotheke zur Identitätsprüfung von Benzylpenicillin, Chloroquin oder Pethiden verwendet. Heute benötigt man die Flüssigkeit nicht mehr – alternative Identifizierungsmethoden machen den Stoff überflüssig. Die explosive Säure sollte eigentlich in keiner Apotheke mehr auffindbar sein. Umso überraschter war das Team einer Hamburger Apotheke, als sie ein altes Gefäß Pikrinsäure bei Aufräumarbeiten fand. Natürlich befand sich das Reagenz nicht wie vorgeschrieben unter Wasser. Die Feuerwehr musste gerufen werden.

Immer wieder Zufallsfunde

Dadurch, dass bei den Aufräumarbeiten Teile der Substanz versehentlich verschüttet wurden und die Säure im kristallinen Zustand war, war ein Großeinsatz erforderlich – Experten des Landeskriminalamtes übernahmen die Entschärfung des Stoffes. Aufgrund höchster Explosionsgefahr wurden die umliegenden Straßen gesperrt und ein Wohnhaus evakuiert. Die Apotheke berichtet, dass das Tagesgeschäft für einen halben Tag eingestellt werden musste. Da die Entsorgung der Substanz ohne Zwischenfall verlief, konnte der Betrieb der Apotheke nach wenigen Stunden wieder aufgenommen werden.

Die starke Säure ist in trockenem und kristallinem Zustand oder mit einem Wassergehalt von weniger als 30 Prozent hoch explosiv und unterliegt in diesem Zustand dem Sprengstoffgesetz. Entdeckt die Apotheke einen Behälter mit undefinierter Pikrinsäure, muss die Gefährlichkeit bewertet werden. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Primärgefäß aus Metall ist – hier können sich besonders explosive Metallpikrate bilden. Findet die PTA ein Gefäß mit kristallinen gelbliche Anhaftungen, dann heißt es Finger weg und ab zum Telefon: Sind die Kristalle bereits am Verschluss zu finden, dann kann es bereits beim Öffnen des Gefäßes zu einer Detonation kommen.

Phlegmatisierte Lagerung

Pikrinsäure muss vorschriftsmäßig phlegmatisiert, also in Wasser aufbewahrt werden. Um einen Wassergehalt von mindestens 33 Prozent zu gewährleisten, wird empfohlen, das Datum und die Gesamtmasse des Gefäßes beim Wareneingang zu dokumentieren. Eine Wägung alle sechs Monate dient dazu, die Masse der Substanz zu überprüfen. Falls notwendig, kann Wasser ergänzt werden. Durch vorsichtiges Umdrehen des Behältnisses wird eine homogene Durchfeuchtung erzielt. Für alte Gefäße kann diese Vorgehensweise nicht mehr umgesetzt werden, da das Anfangsgewicht fehlt. Der Einsatz von Pikrinsäure in Apothekenlaboren wird nicht mehr empfohlen.

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