Die Folgen des Urteils könnten aber weitreichend sein: Die Rezeptsammlung kann damit als gezieltes Wettbewerbsinstrument genutzt werden. Dem ungeliebten Konkurrenten wird eine Sammelbox in den benachbarten Supermarkt gestellt, Rezepte und OTC-Bestellungen abgefischt. Das wird bestimmt kein flächendeckendes Problem werden, aber öfter als in Einzelfällen werden verfehdete Apotheker zu diesem Mittel greifen. Ob den Verbrauchern oder der Arzneimittelversorgung damit wirklich geholfen ist? Auch im Ausgangsstreit ging es mitnichten darum, eine Versorgungslücke zu schließen.

Das Bundesverfassungsgericht bleibt seiner Linie einer weiten Definition des Arzneimittelversandhandels treu. Schon 2008 fanden es die Richter normal, dass eine niederländische Versandapotheke in Drogeriemärkten Rezepte einsammelt und die Medikamente gleich in die sachkundigen Märkte zur Abholung liefert. Das Konzept hat zwar nicht überlebt, könnte aber bald Nachahmer auf lokaler Ebene finden.

Ob die Sammelboxen wirklich Zukunft haben, darf bezweifelt werden. Denn mit der bevorstehenden Einführung des E-Rezepts werden sich ganz neue Möglichkeiten auftun, möglichst früh nach dem Arztbesuch an die Verordnung zu kommen. Und in ein paar Jahren trifft man sich dann wieder in Leipzig und verhandelt über das Wesen der Arzneimittelversorgung.

 

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