Nichts abgeben, aber trotzdem abrechnen?

Masken-Verteilung: Der Verweigerer von nebenan

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Berlin -

Zwischen dem üblichen Ansturm vor Weihnachten und dem neuerlichen Lockdown haben die Apotheken in dieser Woche auch noch Millionen FFP-Masken an Risikopatienten verteilt. Der Nacht- und Notdienstfonds (NNF) hat das dafür fällige Honorar bereits ausgekehrt. Doch überall berichten Apotheker und PTA, dass sich Kollegen an der Aktion nicht beteiligen.

Bei einer aposcope-Umfrage gaben 86 Prozent der Apotheker*innen und PTA an, dass sie sich an der Aktion beteiligen. Die übrigen 14 Prozent sind dabei, hatten aber am ersten Tag noch keine Schutzmasken zur kostenlosen Abgabe vorrätig. 81 Prozent gaben an, dass der erste Abgabetag unkoordiniert war, weil die nötige Vorbereitungszeit fehlte. 85 Prozent finden, dass Gesundheitsminister Jens Spahn sich zwingend persönlich an Patienten und Apotheken hätte wenden müssen, um für die Aktion zu werben.

Am ersten Tag gab laut 84 Prozent der Befragten Warteschlangen vor der Apotheke. Fast drei von vier Befragten (74 Prozent) erklärten, dass ein normaler Apothekenbetrieb wegen der Ausgabe unmöglich war. Immerhin zwei von drei Befragten hoffen, dass sich die Verteilung nach dem ersten Ansturm in den kommenden Wochen besser ins Alltagsgeschäft integrieren lassen wird.

Ein Drittel gab an, dass sogar zusätzliches Personal im Einsatz gewesen sei. 39 Prozent konnten nicht die gesamte Nachfrage decken: In mehr als der Hälfte der Fälle waren die Vorräte nach vier Stunden oder weniger komplett weg. Knapp ein Viertel der Befragten hatte zum Start auch nur weniger als 1000 Masken vorrätig.

39 Prozent schätzen, dass mehr als die Hälfte der Kunden, die Masken abgeholt haben, keine Stammkunden war. Umgekehrt finden es 31 Prozent legitim, Schutzmasken nur an Stammkunden auszugeben. Denn ein akutes Zusatzgeschäft lässt sich nur selten machen: 56 Prozent gaben an, dass höchstens jeder vierte Abholer auch ein Rezept dabei hatte. Dass zusätzlich ein Produkt aus Sicht- oder Freiwahl gekauft wurde, kam noch seltener vor – laut 79 Prozent bei weniger als jedem vierten Kunden.

Trotzdem: 55 Prozent finden, dass die Ausgabe von kostenlosen Schutzmasken an Risikogruppen der Kundenbindung dient. 40 Prozent finden sogar, dass sich dadurch Neukunden gewinnen lassen.

Doch offenbar ziehen gar nicht alle Kollegen mit: 42 Prozent der Befragten gaben an, dass eine oder mehrere Apotheken in ihrem Umfeld sich nicht oder nur in eingeschränktem Maß an der Aktion beteiligen. 31 Prozent schlossen das aus, 27 Prozent konnten dazu keine Angabe machen. Tatsächlich berichten zahlreiche Apotheken aus ganz Deutschland, dass fremde Kunden zu ihnen kommen mit der Aussage, dass sie in anderen Apotheken abgewiesen wurden.

71 Prozent finden es unverantwortlich, wenn Apotheken an der Aktion für die kostenlose Abgabe von Schutzmasken an Risikogruppen nicht teilnehmen. 82 Prozent finden, dass diese Kollegen eine gute Gelegenheit verpassen, um zu zeigen, wie wichtig Vor-Ort-Apotheken auch in der heutigen Zeit sind.

67 Prozent rechnen allerdings damit, dass ab Januar auch Versandapotheken in großem Stil einsteigen, 76 Prozent finden das ungerecht.

69 Prozent fürchten auch, dass die Euphorie auch bei denjenigen verfliegen wird, die derzeit noch motiviert sind. 55 Prozent erwarten, dass sich im Dezember immer weniger Kolleg*innen an der Aktion beteiligen werden.

Die Mehrheit der Apotheken wartet auf weitere Schutzmaskenlieferungen für die kostenlose Abgabe an Risikopatienten (83 Prozent). 38 Prozent sehen wegen der großen Nachfrage derzeit Lieferengpässe.

An der aposcope-Umfrage nahmen am 16. Dezember 203 verifizierte Apotheker*innen und PTA teil.

 

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