Diätprodukte

Überblick: So funktionieren die Abnehmmittel

, Uhr
Berlin -

Der Markt der Abnehmprodukte und Diätmittel ist groß und unübersichtlich. Proteinshakes wie Almased und Yokebe sind teilweise in die Drogerie und in den Lebensmitteleinzelhandel abgewandert, außerdem konkurrieren die Apotheken mit Versendern wie Nu3 und Vitafy sowie Konzeptanbietern wie „Machdichkrass“ und „BodyChange“. Doch auch in der Offizin ringen immer mehr Anbieter mit mehr oder weniger klarem Profil um die Gunst der Kunden. Neben altbewährten Diätpulvern streben auch neue innovative Produkte danach, den Markt für sich zu erschließen. Ein Überblick.

Die Newcomer auf dem Markt sind Refigura (Heilpflanzenwohl) und Dr. Slym. Während Refigura ähnlich dem Konzept von XLS-Medical und Formoline auf eine verminderte Nährstoffabsorption setzt, versucht Dr. Slym den Heißhunger abzustellen, indem es gerade so viel Energie liefert, dass das Gehirn noch reibungslos funktionieren kann.

Refigura ist ein neuartiger Kalorienbinder. Das in Sticks abgefüllte Pulver wird in Wasser eingerührt. Zehn Minuten vor einer Mahlzeit getrunken, werden Kohlenhydrate und Fette der Nahrung gebunden. Außerdem verstärken seine quellenden Bestandteile das Sättigungsgefühl, sodass Anwender laut Hersteller auch ohne radikale Umstellung der Ernährung abnehmen. Weiter soll es keine Heißhungerattacken und Fettstühle geben. Das Pulver besteht aus zwei patentierten Pflanzenfasern, kolloidaler Kieselsäure und dem Süßstoff Sucralose.

Dr. Slym ist ein Trinkkonzentrat, das auf dem Wirkstoff Glycerol basiert. Dieser versorge das Gehirn mit ausreichend Glucose. Es bleibe daraufhin leistungsfähig trotz geringerer Nahrungsaufnahme. Außerdem unterbinde Dr. Slym die Ketonkörperbildung im Körper, sodass vorhandene Aminosäuren nicht abgebaut würden. Der geringe Energiegehalt führe zu einem nur unbedeutenden Anstieg des Insulinspiegels, was sich positiv auf die Verstoffwechselung von Fettreserven auswirke, so die Versprechungen des Herstellers.

Formula-Diäten

Bei dieser Diät-Form werden Mahlzeiten teilweise oder ganz durch ein Getränkepulver ersetzt. Dieses wird in Milch oder Wasser eingerührt, mit einem Schuss Öl versetzt und dann verzehrt. Die Zusammensetzung der Pulver richtet sich nach gesetzlichen Vorgaben und basiert auf einem hohen Anteil an Eiweiß. Ebenso vorgeschrieben ist ein Hinweis, dass diese Diäten nur unter ärztlicher Aufsicht zur Langzeitanwendung gedacht sind.

Bekannte Marken sind Almased, Yokebe, Multan, SlimFast und OptiFast; vor allem in der Drogerie gibt es zahlreiche Nachahmer. Einer der Hauptunterschiede zwischen ihnen ist die verwendete Eiweißquelle. Während Almased und Beavita (Nu3) auf reines Sojaprotein setzen, verwenden Multan (Weber & Weber), SlimFast (Allpharm), Modifast (OTC Siebenhandl) und OptiFast (Nestlé) ausschließlich Milcheiweiß. In Yokebe (Naturwohl) und Xlim (Biomo) sind Molke- und Sojaeiweiß gemischt, bei Apoday (Wepa), Doppelherz DiätShake (Queisser) sowie Body Control (Dr. Scheffler) werden Milch- und Sojaeiweiß verwendet.

Verbraucherschützer warnen vor einer zu hohen Zuckerzufuhr. Entgegen der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation, den Energiebedarf nur zu maximal 10 Prozent aus freien Zuckern zu decken, enthalten die Abnehm-Drinks mitunter bis zu 50 Prozent Zucker. Spitzenreiter ist SlimFast mit 21 g Zucker pro Portion. Das entspricht etwa dem Zuckergehalt von sieben Stücken einer Tafel Schokolade. Der Multan Figurformer enthält im Vergleich zu Almased weniger Kohlenhydrate und zusätzlich die Aminosäure L-Carnitin, die den Fettabbau fördern soll.

Fett- und Kohlenhydratblocker

Gut bekannt ist Formoline L112 (Certmedica). Der Hauptinhaltsstoff dieser Tabletten ist eine Polymerverbindung, die aus Krebstierpanzern gewonnen wird. Sie hat die Eigenschaft, Fette zu binden, sodass sie nicht vom Körper aufgenommen werden. Zu fettreichen Mahlzeiten verzehrt, verhindert Formoline L112 so die Bildung neuer Fettreserven.

Ähnlich funktioniert der 2015 eingeführte Fettbinder von Doppelherz (Queisser). Für den patentierten Wirkstoff KiObind wird Chitosan aus Pilzen gewonnen, das Produkt soll so auch von Veganern genutzt werden können. Die positiv geladenen Biopolymere können laut Hersteller negativ geladene Moleküle wie Nahrungsfette binden und dadurch die Absorption verhindern. Fettmoleküle werden umschlossen und es entsteht eine gelartige Masse, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden kann.

Ein weiterer Fettblocker ist der Wirkstoff Orlistat. Er hemmt fettabbauende Enzyme im Darm. Dadurch wird weniger Fett vom Körper aufgenommen und unverdaut ausgeschieden. Geeignet ist diese Variante nur für Personen mit einem BMI ≥ 28 kg/m2. Unter Einnahme von Orlistat kann es zu vermehrtem Stuhlgang, Flatulenzen und Fettstühlen kommen. Auf dem Markt sind derzeit Orlistat-Generika von Hexal und Ratiopharm sowie das rezeptpflichtige Xenical (Roche). Das Präparat Alli (GSK) wurde aufgrund zu geringer Nachfrage vom Markt genommen.

Fettbinder zügeln nicht den Appetit. Eine kohlenhydratreduzierte Diät ist daher trotzdem zu empfehlen. Ist die Aufnahme von Fetten im Körper blockiert, werden auch fettlösliche Medikamente – zum Beispiel Valproinsäure – verringert resorbiert. Auch ein Mangel an fettlöslichen Vitaminen, vor allem Vitamin D und E, kann entstehen. Vor Beginn der Einnahme sollte daher ein Arzt aufgesucht werden, eine Langzeiteinnahme sollte vermieden werden.

Auf die Verringerung der Resoption von Makronährstoffen setzt auch XLS-Medical (Omega). Neben einem Kohlenhydrateblocker und einem Fettbinder ist bei ihnen auch ein „Max Strength“-Präparat vorhanden, welches beide Aufgaben erfüllen soll. Die Hauptinhaltsstoffe der Kapseln kommen einheitlich vom Hersteller InQPharm, einem malaysischen Biotech-Unternehmen, das sich auf besondere Pflanzenextrakte spezialisiert hat.

Ballaststoff- und quellstoffhaltige Produkte

Diese Präparate erzeugen durch ihre Volumenvergrößerung ein Sättigungsgefühl. Meist wird der pflanzliche Stoff Glucomannan verwendet, der die 50-fache Menge seines Eigengewichts an Wasser bindet. Er wird aus der Konjak-Knolle gewonnen, zu Deutsch Teufelszunge. Im Magen quillt der Ballaststoff auf und der Körper sendet Signale der Sättigung. Erfolg winkt allerdings nur, wenn die zusätzliche Nahrungsaufnahme tatsächlich eingeschränkt wird. Folgende Präparate basieren auf diesem Konzept: formoline mannan (Certmedica), Ebbes GLS (Krepha), bionorm Sättigungskapseln (pharmarissano), Neurased (pharmarissano), Infiredukt (Infirmarius), Ovivo forma (Linda). Ballaststoffe sollten immer mit Abstand zu Medikamenten eingenommen werden, da sie die Verfügbarkeit der Wirkstoffe verringern können.

Sonstiges

Zusätzlich gibt es noch Entwässerungs- und Abführmittel, die zur Gewichtsreduktion eingesetzt werden, sowie diverse Homöopathika. Appetitzügler mit Arzneimittelcharakter existieren momentan nicht. Verschreibungspflichtige Appetitzügler wie Alvalin Tropfen (Cathin; Riemser) oder Regenon (Amfepramon; Hormosan) sind ebenfalls auf dem Markt.

Der Wirkstoff Sibutramin (Reductil, Abbott) wurden wegen zu starker Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen. Auch über Diäten mit dem Schwangerschaftshormon HCG wird berichtet. Diese entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage und sind illegal, sofern nicht vom Arzt verschrieben.

Newsletter
Das Wichtigste des Tages direkt in Ihr Postfach. Kostenlos!

Hinweis zum Newsletter & Datenschutz

Mehr aus Ressort
ApoRetro – Der satirische Wochenrückblick
PTA im Glück: Endlich Mindestlohn!

APOTHEKE ADHOC Debatte