Apobank-Umfrage

Coronakrise: Apotheker:innen geht es ans Privatvermögen

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Berlin -

Die Coronakrise hat nach wie vor große Auswirkungen auf die wirtschaftliche Situation von Apotheken und Praxen. Einer aktuellen Umfrage der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) zufolge haben 28 Prozent der Apotheker:innen und Ärzt:innen Schwierigkeiten, ihre laufenden Rechnungen zu bezahlen. Jeder Fünfte musste deshalb im zurückliegenden Jahr sein Privatvermögen antasten, um Durststrecken zu überbrücken – unter den Apothekern waren es mit 30 Prozent überdurchschnittlich viele. Die Coronahilfen der Bundesregierung hält nur eine kleine Minderheit für ausreichend.

Mehr Arbeit, weniger Geld: 37 Prozent der Apotheker:innen haben wegen der Coronakrise nach eigenen Angaben mit rückläufigem Umsatz zu kämpfen, bei nur 18 Prozent ging er nach oben. Ähnlich sieht das Verhältnis mit 41 und 18 Prozent bei der Kundenzahl aus. Anders beim Arbeitspensum: Das sei während der Pandemie gestiegen, gaben 79 Prozent der befragten Apotheker:innen an. Nur 4 Prozent sagen, dass es seitdem weniger zu tun gibt. Als besonders herausfordernd sehen die Apotheken dabei mit je 89 Prozent ihre Beiträge zur Test- und Impfstrategie sowie die Warenbeschaffung, gefolgt von Personalplanung und gesetzlichen Vorgaben mit 77 und 72 Prozent.

Gleichzeitig wird vielerorts das Geld knapp: 30 Prozent der Apotheker:innen gaben an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten Privatvermögen umgeschichtet haben, um den Betrieb aufrechterhalten zu können, oder dass sie das planen. Bei den Zahnärzten waren es mit 31 Prozent sogar ein wenig mehr. Weitere 12 Prozent halten den Schritt für denkbar.

Für die Hausärzt:innen scheint das nicht in dem Maße nötig, denn sie können Ausgleichszahlungen bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragen. 29 Prozent von ihnen haben das in den vergangenen zwölf Monaten getan, weitere 18 Prozent planen es. Die Zahnärzt:innen gaben zu 42 Prozent an, staatliche Unterstützung beantragt zu haben oder das für die Zukunft zu planen. Allerdings gaben nur 3 Prozent von ihnen an, dass der Rettungsschirm der Bundesregierung ausreiche, um ihre Praxis wirtschaftlich ausreichend zu stabilisieren.

Insgesamt gaben 28 Prozent der 389 befragten selbstständigen Heilberufler:innen an, dass es sie vor eine schwierige Aufgabe stelle, laufende Rechnungen zu begleichen. Das Bedienen der Betriebskredite ist für jeden Fünften herausfordernd. Das hat vielerorts auch personelle Konsequenzen: 10 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Zuge der Pandemie Personal entlassen mussten und weitere 12 Prozent halten das künftig für denkbar. Eine vorübergehende Schließung von Apotheke oder Praxis war demnach aber nur für 9 Prozent ein Thema, das Aussetzen bestehender Kredite mit 3 Prozent sogar für noch weniger Befragte.

„Die Pandemie hat also deutliche Spuren in der ambulanten Versorgung hinterlassen“, resümiert Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik bei der Apobank. Dabei war die härteste Zeit offenbar nicht der Beginn der Pandemie vor einem Jahr – zumindest für die Apothekeninhaber:innen: 65 Prozent von ihnen gaben an, dass der zweite Lockdown von November bis März größere Auswirkungen auf ihren Berufsalltag hatte. Bei den Zahnärzt:innen ist es andersherum: Hier gaben 83 Prozent an, dass der erste Lockdown von März bis Mai 2020 sie härter getroffen habe. Die Haus- und Fachärzt:innen konnten keinen Unterschied zwischen beiden Lockdowns feststellen.

„Bemerkenswert ist das Engagement der Praxis- und Apothekeninhaber: Jeder fünfte Niedergelassene hat auf Privatvermögen zurückgegriffen, um trotz wirtschaftlicher Engpässe, die Versorgung zu sichern. Offenbar waren die Corona-Hilfen in vielen Fällen nicht wirksam“, so Zehnich. Nur 11 Prozent der befragten selbstständigen Heilberufler:innen hätten angegeben, dass die Rettungsschirme ausreichen, um die Praxen und Apotheken wirtschaftlich zu stabilisieren. „Das ist ein klares Signal an den Staat, denn solange die Pandemie anhalten wird, solange bedarf es auch finanzieller Unterstützung.“

Neben Finanzspritzen soll vor allem die Kurzarbeit strauchelnden Betrieben und Praxen Erleichterung verschaffen. Die Zahnärzt:innen haben das Instrument ausgiebig genutzt: 56 Prozent von ihnen gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten auf Kurzarbeit umgestellt zu haben – doppelt so viele im Durchschnitt aller Heilberufe. Die Zahlen der Apotheken zur Kurzarbeit sind nicht gesondert ausgewiesen.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen spiegeln sich auch in der Ausgabenbereitschaft für Investitionen in Modernisierung der Räumlichkeiten, Einrichtung, Ausstattung oder zur Digitalisierung: 49 Prozent der Heilberufler:innen gaben an, dass sie geplante Investitionen in Apotheke oder Praxis wegen der Pandemie vorerst zurückstellen.

Dennoch zeigen mit 52 Prozent vergleichsweise viele Apotheker:innen Verständnis für die Maßnahmen der Bundesregierung – haben aber aus kurzfristig angekündigten Aktionen wie der Maskenverteilung und der Testdurchführung ihre Lehren gezogen. Nur 14 Prozent fühlen sich zeitnah und ausreichend informiert, um ihren Alltag entsprechend anzupassen.

Sowohl unter Apotheker:innen als auch Heilberufen insgesamt hat die Zustimmung zum Coronamanagement in Regierung und Gesundheitswesen spürbar abgenommen: Sagten vergangenes Jahr noch 64 Prozent der Heilberufler:innen, dass sie die Regelungen zur Pandemiebekämpfung nachvollziehen können, ist es nun nur noch knapp die Hälfte. Der Anteil derer, die das Gesundheitssystem in der Lage sehen, die Krise wirksam zu bewältigen, fiel noch deutlicher von 51 auf 37 Prozent. Besonders groß ist der Vertrauensverlust bei der Reaktionszeit und dem Umfang staatlicher Maßnahmen: Vor einem Jahr betrachteten 37 Prozent die als angemessen – jetzt sind es nur noch 7.

„Die Ergebnisse der Umfrage aber auch die zahlreichen Kommentare dazu, offenbaren neben den wirtschaftlichen Herausforderungen deutliche Kritik an dem Umgang des Staates mit der Eindämmung der Pandemie“, sagt Zehnich. „Die Befragten hätten sich gewünscht, viel früher und stärker in die strategischen Überlegungen einbezogen worden zu sein. Diese Stimmen sollten nicht ignoriert werden, vielmehr sollte die Fachexpertise derjenigen, die am nächsten an den Patienten sind, künftig stärker integriert werden.

Immerhin scheint die Pandemie die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. 43 Prozent gaben an, dass der vermehrte Einsatz digitaler Anwendungen im Arbeitsalltag künftig denkbar sei, 13 Prozent sind dazu bereits übergegangen. Von den Hausärzt:innen sagte mit 49 Prozent beinahe jeder zweite, dass der vermehrte Einsatz digitaler Behandlungsmethodenwie Telemedizin eine Option sei, um den Praxisbetrieb aufrechtzuerhalten.

 

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