Die Risiken bei den Impfzertifikaten

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Berlin -

Beim Ausstellen der Impfzertifikate sollen die Apotheken helfen. Aber wollen die Teams in der Offizin das eigentlich? Eine aktuelle aposcope-Umfrage zeigt eine hohe Bereitschaft, offenbart aber auch die Vorbehalte und Sorgen der Apotheker:innen und PTA. Ebenfalls abgefragt wurden die Impfbereitschaft sowie der Impfstatus in den Teams.

Während sich die Ärzteschaft beim Ausstellen der Zertifikate etwas unwillig zeigt, hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aus den Apotheken positive Signale empfangen. Das spiegelt sich auch in den Ergebnissen der aposcope-Umfrage: 63 Prozent der Teilnehmer:innen können sich vorstellen, diesen Service in ihrer Apotheke anzubieten. Allerdings sehen auch 75 Prozent in der Prüfpflicht der vorgelegten Dokumente ein Risiko für die Apotheken.

Probleme bei der Prüfung auf Echtheit sowie die Gefahr von Strafen bei falsch ausgestellten Zertifikaten zählen denn auch zu den häufigen Gründen, warum der Service nicht im eigenen Betrieb angeboten werden sollte. Etwa jeder Fünfte lehnt das ab – vor allem auch wegen der zu erwartenden Zusatzbelastung und Personalmangel. Für die Apotheken habe diese Dienstleistung schlicht gar keinen Nutzen, meinen andere.

Auch die vorgesehene Honorierung von 18 Euro pro Zertifikat macht das Modell für einige Apotheker:innen unattraktiv. Die Mehrheit von 54 Prozent findet den Wert allerdings angemessen, weiteren 4,9 Prozent erscheint er sogar als zu hoch. Dagegen finden 28 Prozent die Vergütung zu gering. Das gilt besonders für den Betrag von 6 Euro, wenn eine erfolgte Zweitimpfung nachgetragen wird. Hier hätte eine Mehrheit (55 Prozent) gern mehr.

Überhaupt finden 71 Prozent, dass das Ausstellen von Impfzertifikaten eigentlich Sache der Ärzt:innen und Impfzentren wäre. Und fast ebenso viele (68 Prozent) stimmen der Aussage zu, dass der Aufwand für Apotheken zu groß ist und den Betriebsablauf stört.

Die Impfbereitschaft in Apotheken ist insgesamt recht hoch: 81 Prozent wollen sich auf jeden Fall gegen Covid-19 impfen lassen. Weitere 7,8 Prozent sind eher positiv gestimmt. Ebenso viele sind dagegen eher skeptisch oder lehnen eine Impfung gänzlich ab. Noch unentschieden sind aktuell 3,2 Prozent.

Und wie werden die Impfungen organisiert? In den meisten Apotheken muss sich jeder selbst um seine Impfung kümmern, aber fast jedes dritte Team (32 Prozent) sucht sich einen gemeinsamen Termin. Betriebsausflug zum Hausarzt.

20 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass bereits alle im Team geimpft sind. Bei weiteren 54 Prozent ist der überwiegende Teil geimpft, in 23 Prozent der Teams immerhin einzelne. Nur vereinzelt gibt es Apotheken, in denen noch kein:e Mitarbeiter:in geimpft ist.

An der aposcope-Umfrage nahmen am 21. und 22. Mai 309 Apotheker:innen und PTA teil.

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