Inhaberin warnt Kolleg:innen

Beratung vorgetäuscht, Raubüberfall geplant

, Uhr
Berlin -

In der Schneckental-Apotheke in Pfaffenweiler hat sich ein Raubüberfall ereignet. Inhaberin Dr. Ursula Sütterle warnt Kolleg:innen im Umkreis eindringlich, denn der Mann ist noch nicht gefasst. Er gab sich zunächst als Apothekenkunde aus, der nach Ibuprofen fragte und die Apotheke wieder verließ. Kurz darauf kam er mit einer Waffe wieder.

Der Mann betrat am Samstagvormittag gegen 10.30 Uhr die Apotheke. Er fragte nach dem OTC-Präparat. „Ibuprofen hat jede Apotheke“, sagt Sütterle. Die Chefin selbst war an diesem Wochenende nicht vor Ort. Eine angestellte Approbierte aus der Filialapotheke half aus. Die Kollegin habe dem Mann verschiedene Marken aus der Sichtwahl gezeigt und ihm die Preise genannt. Der Täter habe die Lage sondiert und vorgegeben, kein Geld dabei zu haben, so Sütterle.

Als er kurz darauf wiederkam, sei die Apothekerin davon ausgegangen, er habe seinen Geldbeutel geholt. „Das ist nicht ungewöhnlich.“ Stattdessen habe er wahrscheinlich abgewartet, bis niemand mehr in der Offizin gewesen sei, vermutet Sütterle. Die Angestellte holte ihm eine Packung aus der Sichtwahl – als sie sich wieder umdrehte, habe sie „in den Lauf einer Pistole geschaut“. Den Schock habe sie äußerlich nicht gezeigt, so Sütterle. „Sie ist ruhig geblieben und hat dem Mann sofort das Bargeld aus der Kasse gegeben.“

Die Inhaberin ist mit der Reaktion ihrer Mitarbeiterin sehr zufrieden. „Sie hat völlig richtig und klug reagiert, die Situation souverän gemeistert und versucht, Schaden abzuwenden.“ Denn es sei wahrscheinlich gewesen, dass an einem Samstagvormittag schnell wieder neue Kund:innen in die Apotheke kommen könnten. Zudem seien zwei weitere Angestellte vor Ort gewesen. Der Mann sei „völlig unberechenbar“ gewesen. Auch wenn niemand körperlich zu Schaden gekommen sei, gehe es der Angestellten nicht gut. Sie stehe unter Schock.

Sütterle will nochmals mit allen Mitarbeiter:innen über den Raubüberfall sprechen und unter Umständen Gespräche mit Traumatherapeut:innen anbieten. Zudem sei ein Termin mit einem Sicherheitsunternehmen geplant. Die Apotheke verfüge über eine Überwachungskameraattrappe, die auch angeschlossen werden könne. Das habe den Täter jedoch nicht aufgehalten. „Gegen so einen Überfall kann man sich schlecht absichern“, sagt sie. Dennoch wolle sie besprechen, wie sie ihren Betrieb noch „aufrüsten“ könne.

Für das Team wäre es gut, wenn der Mann schnell gefasst werden würde, sagt sie. Sütterle informierte bereits Kolleg:innen vor Ort über die Masche, um sie zu warnen. Die Polizei in Freiburg sucht den Mann noch. Auch dort geht man davon aus, dass er die Apotheke getarnt als Kunde bewusst „zuvor in Augenschein“ genommen habe, sagt eine Polizeisprecherin.

Der Täter wird wie folgt beschrieben: männlich, 1,65 Meter groß, circa 35 bis 50 Jahre alt, weiße Hautfarbe, dunkle/graumelierte, schulterlange krause Haare, untersetzte Statur, er trug schwarze Jeans, einen schwarzen Hoodie und eine viereckige, verspiegelte Sonnenbrille mit schwarzen Gestell. Die Erscheinung war insgesamt ungepflegt. Er sprach deutsch ohne erkennbaren Akzent.

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