„Es gibt keine No-Gos“

Apotheken-Architekt: Apotheken müssen manipulieren Tobias Lau, 03.06.2019 14:32 Uhr

Berlin - Jörn Bathke baut seit mehr als 20 Jahren Apotheken, mehr als 400 sind es bereits im gesamten Bundesgebiet. Im Gespräch mit APOTHEKE ADHOC redet er über die Halbwertszeit von Apothekeneinrichtungen und das richtige Verhalten von Inhabern, die sich eine Offizin bauen lassen.

ADHOC: Was war die wichtigste innenarchitektonische Neuerung der vergangenen 20 Jahre?
BATHKE: Für mich sind das die Materialien. Auf diesem Markt gab es sehr starke Veränderungen. Ich habe mich immer gegen die Verwendung von Kunststoffen gewehrt, aber mittlerweile kann man das kaum noch unterscheiden. Man steht vor Oberflächen und denkt: „Das ist ja bis in die Poren hinein echt.“ Da sind wir wieder beim Thema: Glaubwürdigkeit und Authentizität.

ADHOC: Kann man nicht auch genau das ironisch brechen?
BATHKE: Bei den Materialien ist das schwieriger. Das kann schnell zu einem Verlust dieser Glaubwürdigkeit führen. Innenarchitekten sind ja auch Manipulatoren und vor allem sind sie Bühnenbildner. Wir versuchen, den Kunden zu manipulieren, davon zu überzeugen, dass er in einem Raum aus echten Materialien aus der Region ist. Und wenn diese Geschichte glaubwürdig ist, dann ist er überzeugt und kauft das Nahrungsergänzungsmittel eben für den doppelten Preis – aber vielleicht ist es gar nicht echt. Man kann mit der Ironie nämlich auch viel kaputtmachen: Wenn die Leute denken, das wäre echtes Holz, dann dagegen klopfen und merken, dass es hohl ist. Wenn wir Architekten unsere Glaubwürdigkeit verlieren, ist das zwar nicht so schlimm wie bei euch Journalisten. Aber wir müssen trotzdem unbedingt dafür Sorge tragen, dass die Leute „gläubig“ bleiben. Wenn die Leute den Raum betreten und nicht glauben, was sie da sehen, haben wir verloren.

ADHOC: Man muss also darauf achten, dass es konsistent ist und nicht echte Materialien für den Laien nicht erkennbar sind…
BATHKE: … und darüber hinaus gibt es noch eine ökonomische Verantwortung, welche Materialien ich verwende.

ADHOC: Läuft man manchmal Gefahr, von der Ironie in den Kitsch abzurutschen?
BATHKE: Nein, Ironie schützt vor Kitsch. Pathos ist Kitsch.

ADHOC: Aber gerade heutzutage ist Ironie doch so sehr zum Selbstzweck geworden, dass sie selbst auch kitschig sein kann.
BATHKE: Klar, da muss man natürlich aufpassen. Wenn man übertreibt, wird es nach zwei Jahren peinlich.

ADHOC: Hat schon mal ein Apotheker zu Ihnen gesagt: „Ich fand das vor zehn Jahren ganz toll, aber jetzt ist es mir zu viel“?
BATHKE: Das habe ich sogar schon selbst mit Apotheken gemacht, die ich gebaut habe. Aber meist habe ich ein sehr gutes Verhältnis zu unseren Kunden, oft auch freundschaftlich. Da kann das schon mal vorkommen.

ADHOC: Mussten Sie schon einmal einen Apotheker mit Nachdruck von einer Idee abbringen?
BATHKE: Auf jeden Fall! Das kommt zwar selten vor, aber manchmal sind Inhaber auch irregeleitet, oft von außen. Die sind dann jemandem aufgesessen und wollen in einer kleinen Dorfapotheke riesige Flachbildschirme bauen, was völliger Unfug ist. Das sind oft welche, die aus der Stadt kommen und meinen, sie hätten schon alles gesehen. Dann wollen die der Oma auf dem Land ihre riesigen Bildschirme vorstellen. Das funktioniert aber nicht.

ADHOC: Konnten Sie einen Apotheker schonmal partout nicht von einer Idee überzeugen?
BATHKE: Ja, und dann trennen wir uns wieder voneinander. Wir kriegen auch nicht jeden Auftrag und das ist auch gut so. Wir brauchen schließlich ein Vertrauensverhältnis zueinander und wenn wir das nicht haben, muss der Inhaber das mit einem anderen machen.

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