Ausbildungsberuf Chef-PTA

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Berlin - Julia Boss ist schon etwas aufgeregt an ihrem ersten Arbeitstag. Zwar kennt sie die Apotheke in- und auswendig, schließlich arbeitet sie schon seit Jahren hier, aber ab heute ist alles anders: Sie ist offiziell Chef-PTA, Jahrgangsbeste der allerersten Abschlussklasse dieses ganz neu eingeführten Ausbildungsberufs.

„Auf ein Pharmaziestudium hatte ich keine Lust, aber nach einigen Jahren als PTA hatte ich immer das Gefühl: Da muss doch noch was kommen“, beschreibt Boss ihre Motivation. Ihre Chefin sei zwar locker gewesen und habe auch den PTA viele Freiheiten eingeräumt – aber eben nur innerhalb der rechtlichen Grenzen. Und die waren Boss irgendwann zu eng, wie anderen Kollegen auch.

Zum Glück gab es eine PTA-Reform nach der heftig umstrittenen PTA-Reform im Jahr 2019. Die „normale“ Ausbildung wurde nicht erneut angefasst, den Ärger wollte sich Spahns Nachfolger ersparen. Stattdessen wurde die Chef-PTA auf die Offizin losgelassen. Sie soll die Lücke schließen zwischen Inhaber und Team.

Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die C-PTA zusätzliche Kompetenzen in der Apotheke. Sie dürfen den Inhaber kurzfristig vertreten, falls dieser mal dringend einen Nachmittag frei benötigt. Allerdings hat die Berufsvertretung der Apotheker durchgesetzt, dass die Vertretung nicht länger als sechs Stunden am Stück erfolgen darf, samstags nur vier Stunden. Notdienste können die Chef-PTA auch übernehmen, aber maximal zweieinhalb pro Quartal und unter der Voraussetzung, dass der Inhaber nicht weiter als 12,51 Kilometer von der Apotheke entfernt wohnt (Zweitwohnsitz reicht nicht).

Julia Boss war schon PTA, hat die neue Ausbildung aber trotzdem komplett durchlaufen. Das ging im ersten Jahrgang nicht anders, später soll es eine zweijährige Aufbauausbildung für examinierte PTA geben. Die reguläre Ausbildung dauert drei Jahre plus ein praktisches Jahr in der Apotheke. Auf dem Stundenplan stehen bekannte Inhalte für pharmazeutisches Fachpersonal, aber auch Fächer wie Urlaubsplanung, Mediation und „Vorbereitung des Betriebs auf eine Revision und/oder steuerliche Betriebsprüfung“. Als Wahlpflichtfach kann man „Unterstützung bei der Nachfolgersuche“ oder „Abwicklung nach Insolvenz“ besuchen, Lieferengpassmanagement soll dagegen jetzt doch Pflichtfach werden.

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