Apotheker müssen Verzicht lernen

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Berlin - Fastenzeit, Zeit der inneren Einkehr, Zeit des Verzichts. Und überall im Land fragen sich Apotheker, worauf sie eigentlich noch alles verzichten sollen. Gute Vorschläge kommen von allen Seiten: Kunden, Kassen, Kommission.

Zum Beispiel die Sache mit der Gleichpreisigkeit, darauf könnten die Apotheker doch wirklich verzichten. Und zwar nicht bis zu den Osterglocken, sondern dauerhaft, findet die EU-Kommission. Das tun sie offiziell zwar schon seit dem EuGH-Urteil im Oktober 2016 (und de facto schon länger). Aber in Brüssel findet man, dass jetzt auch der deutsche Gesetzgeber verzichten soll.

Und um dem ganzen offiziell Nachdruck zu verleihen, wurde das Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland jetzt wieder aufgegriffen. Just in dem Moment, als die Regierung sich anschickt, endlich auf den Spruch aus Luxemburg zu reagieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sucht einen Weg aus der Boni-Falle und bekommt von der Kommission den Hinweis, wo es nicht lang geht. Die einen sehen darin einen Warnschuss, die anderen nehmen es gelassener. Was soll den passieren? Eine Klage und dann noch ein EuGH-Urteil?

Jedenfalls bringt das Schreiben aus Brüssel neue Würze in das ohnehin schon spannende Gesetzgebungsverfahren. Was plant Spahn mit den Apothekern? Geht die seit zweieinhalb Jahren tobende Narrenzeit bei der Boni-Ungleichheit weiter? Bekommen die Apotheker zum Ausgleich Kamelle in Form einer Honorarerhöhung? Oder beginnt jetzt die bittere Fastenzeit? Von der ABDA war gestern nichts zu hören. Sogar die eigenen Leute werden ungeduldig: Der Hessische Apothekerverband verlangt eine sofortige Stellungnahme. Aber Berlin hatte frei wegen Weltfrauentag.

Dabei ist ja in der Apotheke eigentlich jeden Tag Frauenkampftag. Jeden Tag kämpft das überwiegend weibliche Personal gegen und mit der Unbill des Systems, krakeligen Arztklauen, klauenden Kunden oder Kassen und noch ausreifender Sicherheitstechnik. Ohne Frauen läuft in der Offizin: nichts. Manche Inhaberin ist von Frauenpower so überzeugt, dass sie auf eine Frauenquote von 100 Prozent setzt.

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