Erst kauen, dann behandeln

Bitter-Kaugummi als Diagnostikum Cynthia Möthrath, 15.02.2020 08:38 Uhr

Berlin - Lange Zeit haben die Wissenschaftler der Jullius-Maximilians-Universität in Würzburg an einem Kaugummi geforscht, der Entzündungen im Mund- und Rachenraum ermitteln kann – nun soll er mithilfe eines Start-ups auf den Markt kommen. Vorher sind jedoch noch einige Hürden zu überwinden.

Die Idee hinter dem Kaugummi ist simpel: Er enthält die Substanz Denatonium, eine quartäre Ammoniumverbindung, die sich strukturell vom Lidocain ableitet und sehr bitter schmeckt. Die menschliche Zunge kann den Stoff bis zu einer Konzentration von 10nM erkennen. Eingesetzt wird die Substanz unter anderem auch als Bitterstoff in Seifen und Shampoos, sowie zur Vergällung von Ethanol. Außerdem wird sie auch in klinischen Studien Placebos beigesetzt.

Zu Beginn des Kauvorgangs ist die Substanz nicht zu schmecken. Liegt im Mund- oder Rachenbereich jedoch eine Entzündung vor, werden spezifische Proteasen aktiv, die innerhalb von wenigen Minuten die Peptide im Kaugummi aufspalten. Dadurch wird die bittere Substanz enzymatisch freigesetzt – für den Anwender das eindeutige Signal für das Bestehen eines Entzündungsprozesses im Mund- oder Rachenraum. Danach soll der Patient seinen Zahnarzt aufsuchen, um die Diagnose bestätigen und die Entzündung therapieren zu lassen.

Ziel dieser Früherkennung ist vor allem, die schwerwiegenden Folgen einer Periimplantitis wie beispielsweise Knochenabbau zu verhindern. Denn in Deutschland werden nach Zahlen der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) jährlich etwa eine Million Implantate eingesetzt. Doch neben einem Nutzen können die verwendeten Teile auch Folgen haben: Bei 6 bis 15 Prozent der Patienten entsteht in den Jahren nach dem Setzen des Implantats eine Periimplantitis. Man geht davon aus, dass diese Entzündung hauptsächlich von gramnegativen Bakterien ausgelöst wird. Im Extremfall führt sie zu einer Zerstörung des weichen Gewebes und zu einer Osteolyse.

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