Doppelanrufmasche

„Teledeal“: Trickbetrüger hat es auf Apotheker abgesehen APOTHEKE ADHOC, 06.06.2020 16:27 Uhr

Berlin - Es ist kurios: Seit mindestens vier Jahren treibt der Trickbetrüger Nizam Toru sein Unwesen. Obwohl Anwälte und Verbraucherschützer schon seit geraumer Zeit vor ihm warnen, kann ihm offensichtlich nicht das Handwerk gelegt werden. Nun hat er es auf Apotheken abgesehen: Ein Inhaber aus Baden-Württemberg ist kürzlich auf ihn hereingefallen. Er wolle ihm helfen, seine Apotheke im Internet besser auffindbar zu machen, sagte Toru ihm am Telefon. Jetzt sitzt der Apotheker auf fast 3000 Euro Schulden. Doch er wehrt sich und sieht gute Chancen, nichts bezahlen zu müssen.

Manchmal muss man robust auftreten, das hat Inhaber Jörg Riemann* gelernt. Riemann heißt eigentlich anders, will aber nicht namentlich genannt werden. „Anderen Kollegen wäre das auch passiert – aber über mich lästern würden sie trotzdem, wenn sie es lesen“, sagt er. Das hindere ihn aber nicht daran, dass er sie schützen will. „Ich will, dass gerade gutmütige Apotheker vor der Masche gewarnt werden, denn genau die sind es, auf die er es abgesehen hat. Denn er geht psychologisch sehr geschickt vor.“ Man könnte es aber auch einfach dreist nennen.

Anfang Mai erhielt Riemann einen Anruf von Toru. „Wo er meine Handynummer herbekommen hat, weiß ich bis jetzt nicht“, sagt er. Danach, das zu fragen, kam er auch gar nicht, Toru habe direkt losgeplappert und ihn mit seinem Angebot überwältigt: Es gehe um Suchmaschinenoptimierung und einen Eintrag in der Seite Städte-Check.de, mit dem die Auffindbarkeit seiner Apotheke im Internet verbessert werde, erklärte er ihm. „Er hat sehr schnell geredet und auch die Telefonverbindung war nicht so gut, deshalb habe ich vieles auch nicht so genau verstanden. Er hat immer nur irgendwas von Google erzählt.“ Prinzipiell klinge es ja interessant, meinte Riemann zu ihm. „Er meinte dann, er ruft mich zurück.“

Gesagt, getan: Weniger Tage später erfolgte der zweite Anruf. Diesmal wurde er schon etwas konkreter: Es gebe bereits einen kostenlosen Eintrag seiner Apotheke auf der Seite, den habe er aber nicht gekündigt. Mit der Masche hat Toru bereits häufig Gewerbetreibende und Selbstständige geködert: Er erklärt ihnen zwischen Tür und Angel, dass sie einen kostenlosen Eintrag nicht gekündigt hätten und spekuliert auf deren Unsicherheit, dass ihnen im Arbeitsalltag eventuell eine solche Kleinigkeit durchgerutscht sein könnte. Der zweite Anruf ist dabei notwendig, weil Verträge aus der Kaltakquise rechtlich keine Gültigkeit haben. Der Knackpunkt dabei: Unter dem Vorwand, dass es sich ja im Wesentlichen um einen Datenabgleich handele, fragt er, ob das Gespräch aufgezeichnet werden kann. „Dabei nutzt er den zeitlichen Druck, man sagt dann einfach ‚Ja, von mir aus‘ – durch die Aufzeichnung hat man dann aber formell einen mündlichen Vertrag geschlossen.“ Dabei stelle er Fangfragen, die man stets bejaht und die er dann als Zustimmung zum Vertrag wertet.

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