„Wer gegen Grippe impfen kann, kann auch gegen Corona impfen“

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Berlin - Im Moment reicht der Impfstoff vorn und hinten nicht aus. Sollten sich die Prognosen bewahrheiten, könnte sich das aber im Sommer grundlegend ändern – und eher die Termine das Nadelöhr werden. Wären Corona-Impfungen in Apotheken dann ein gangbarer Weg, die Impfkampagne zu unterstütze? Ja, sagt Thomas Preis, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein (AVNR). Mit den Modellprojekten zu Grippeschutzimpfungen würden die Apotheken ja bereits zeigen, dass sie ausreichend qualifiziert sind. Und auch die Abda signalisiert zumindest Offenheit für die Idee.

Die Grippesaison ist vorbei und es war die erste, in der sich Apotheken an Schutzimpfungen beteiligten. Für die Verbände in den vier Modellregionen – Nordrhein, Saarland, Niedersachsen und Oberpfalz – ist nun die Zeit gekommen, eine erste Bilanz zu ziehen. „Es wurden knapp 350 Impfungen für AOK-Patienten durchgeführt“, erklärt der Saarländische Apothekerverein auf Anfrage. „Das Modellprojekt ist sehr erfolgreich angelaufen. Die Patienten waren sehr zufrieden mit diesem niederschwelligen Angebot.“ In der nächsten Saison könnten es noch mehr Impfungen werden, denn neben der AOK schließt sich noch eine weitere Kasse an: „Das Modellprojekt wird jetzt ausgeweitet auf IKK Südwest. Der Vertrag ist bereits unterschrieben und liegt nun beim Robert-Koch- und dem Paul-Ehrlich-Institut, die ihn noch prüfen.“

Weniger war es wahrscheinlich in der Oberpfalz, dort haben 56 Apotheken 155 Versicherte geimpft – also weniger als drei pro Apotheke. Zumindest wurden bislang so viele Impfungen gemeldet. „Dies spiegelt aber nur den für uns aktuell ersichtlichen Stand wider, die Zahl könnte also auch höher liegen“, so ein Sprecher. „Man muss es auch in dem Licht betrachten, dass wir zu Beginn schlechte Voraussetzungen hatten: Der Start des Modellprojekts stand im Schatten der Lieferengpässe. Wir mussten deshalb am Anfang alle Kräfte darauf konzentrieren, den Regelbetrieb in den Praxen aufrecht zu erhalten.“ Allerdings seien die Rückmeldungen der teilnehmenden Apotheken durchweg positiv gewesen. „Wir haben bei den Mitgliedern im persönlichen Austausch eine sehr hohe Motivation festgestellt.“

Aus Niedersachsen und Nordrhein kommen noch keine Zahlen, aber ebenfalls eine erste positive Bilanz: „Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen und gehen sehr stark davon aus, dass wir in der nächsten Saison in den beteiligten Apotheken noch mehr Impfungen durchführen können“, erklärt Preis. Eine grundsätzliche Auswertung werde der Verband in den kommenden Monaten durchführen und dann auch entsprechende Zahlen veröffentlichen. Allerdings rechne er mit einer Ausweitung des Projekts. „Die Resonanz in der Bevölkerung ist so gut, dass viele sich wieder in der Apotheke impfen lassen wollen, aber sicherlich auch viele neue Versicherte für ihre Grippeschutzimpfung in die Apotheken kommen werden“, so Preis. Der Verband sei deshalb zuversichtlich, dass sich künftig auch weitere Krankenversicherungen dem Modellprojekt anschließen werden. Doch wenn es nötig wäre, so Preis, könnten Apotheken schon vorher bereitstehen, um die Bevölkerung zu impfen: nicht gegen die Grippe, sondern gegen Corona.

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