Telemedizin

Video-Sprechstunde wirkt bei „Knackis“ APOTHEKE ADHOC, 20.09.2018 11:03 Uhr

Berlin - Im Frühjahr startete in Baden-Württemberg ein Modellprojekt der ganz besonderen Art zur Telemedizin: Gefängnisinsassen werden per Videosprechstunde von Ärzten behandelt. Beteiligt sind sechs Justizvollzugsanstalten. Technik und Ärzte liefert das Hamburger Unternehmen Videoclinic. Die ersten Erfahrungen sind positiv. Landesjustizminister Guido Wolf (CDU): „Die Telemedizin hat ein großes Potenzial, unsere Bediensteten im Justizvollzugsdienst zu entlasten und die medizinische Versorgung der Gefangenen zu verbessern.“

Die erste Bilanz nach wenigen Monaten bestätigt die Erwartungen: Telemedizinisch per Videosprechestunde behandelt wurden rund 100 Gefangene, „durchschnittlich 3,25 Patienten pro Tag“, wie das Justizministerium ausgerechnet hat. Nur 7,7 Prozent davon, also acht Insassen, mussten nach der Telesprechstunde persönlich einen Arzt aufsuchen. Die meisten gesundheitlichen Probleme ließen sich also via Telemedizin abklären und behandeln. Ob sich auch die Hoffnung bestätigt, dass jetzt weniger Gefangene den Arztbesuch zur Flucht nutzen und damit die Ausbrecherquote in Baden-Württemberg sinkt, lässt sich statistisch noch nicht erheben.

Wolf kommentierte das Telemedizinprojekt so: „Die medizinische Versorgung gestaltet sich insbesondere in den Abend- und Nachtstunden sowie an Wochenenden und Feiertagen nicht einfach.“ Aber auch die Wege zu Ärzten außerhalb der Justizvollzugsanstalten seien mit einem enormen Personal- und Kostenaufwand verbunden und begründeten zugleich ein Sicherheitsrisiko. „Schon nach den Erfahrungen der ersten Wochen mit einer Vielzahl erfolgreich abgeschlossener telemedizinischer Behandlungen lässt sich sagen, dass wir hier auf einem sehr guten Weg sind.“

Der Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Clever, erklärte: „Im Sommer 2016 haben wir – bundesweit als Vorreiter – unsere Berufsordnung geändert, um die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen.“ Als Genehmigungsinstanz lege die Kammer dabei größten Wert auf Patienten- und Datensicherheit sowie Qualität. Ärzte würden für die besondere Behandlungssituation und Zielgruppe speziell geschult. Zudem seien wissenschaftliche Begleitevaluationen zwingend, betont Clever.

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