Kemmritz: „Das werden heiße Tage“

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Berlin -

Nicht mal eine Woche liegt zwischen Bekanntwerden der Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Maskenverteilung über Apotheken und deren Beginn – und dazwischen ein organisatorischer Großaufwand unter Zeitdruck inklusive heikler Entscheidungen über betriebswirtschaftliche Risiken, vor allem für kleinere Apotheken. Und dann sind da noch die Kunden, die jetzt schon vielerorts zahlreich in die Apotheken strömen, weil sie in den Nachrichten gehört haben, dass es kostenlose Masken gibt. „Das werden heiße Tage“, prophezeit die Berliner Kammerpräsidentin Dr. Kerstin Kemmritz, die selbst gerade mitten im Vorbereitungsstress steckt.

„Zumindest im Dezember wird ein großer Teil des Geldes aus dem NNF wohl eher ein Schmerzensgeld sein“, sagt Kemmritz. „Denn der Arbeits- und Organisationsaufwand für die Apotheken ist gerade wirklich enorm. Das ist wirklich hart erarbeitetes Geld.“ Gerade muss im Eiltempo so ziemlich alles unter einen Hut gebracht werden: die Kalkulation der Summe aus dem NNF, darauf aufbauend die Menge der bestellten Masken, die Suche nach und Prüfung von Bezugsquellen, der Arbeitsaufwand für das Team und nicht zuletzt die Organisation der Abgabe – denn viele Apotheken rechnen mit einem Ansturm. So könne man beispielsweise überlegen, Maske aus dem Fenster abzugeben oder aus einer Schütte am Eingang der Offizin, um allzu lange Schlangen und Ärger im Verkaufsraum zu vermeiden. All das sind aber noch Überlegungen, erst einmal muss jetzt rangeklotzt werden.

„Wir machen bei uns gerade das, was wahrscheinlich alle gerade machen“, sagt Kemmritz: erst einmal den Verordnungsentwurf gründlich lesen, versuchen an die Zahlen zu kommen, um auszurechnen, wie groß die Summe ist, die man zur Verfügung gestellt bekommt, und dann vor allem schauen, wo man schnell, verlässlich, zu vernünftigen Preisen und guter Qualität Masken beziehen kann. Und vor allem Letzteres kann je nach Ausgangslage ein großes Risiko bedeuten: Denn Zeit, Ware vorab zu begutachten, bleibt nicht. Wer nicht ohnehin schon Beziehungen zu einem Lieferanten hat, der muss auf Risiko gehen. „Man darf nicht vergessen, dass es ja auch nicht nur um Preis und Qualität geht, sondern auch sichergestellt sein muss, dass die Ware bis zum 15. Dezember da ist“, sagt Kemmritz. „Denn das, was wir gerade dahaben, würde für die Nachfrage nicht ausreichen.“

Gleichzeitig müsse man schauen, wie viel man überhaupt lagern und was man sich leisten kann, schließlich muss man in Vorkasse gehen – dabei gehe es um mehrere zehntausend Euro pro Apotheke. „Und man darf nicht vergessen, dass das Geld voraussichtlich nicht mehr vor Jahresende fließen wird. Das sind alles betriebswirtschaftliche Entscheidungen, die nicht in den nächsten Tagen, sondern in den nächsten Minuten anliegen.“

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